Was Sie über Ihr Herz wissen sollten


Was ist Cholesterin? Wie gefährlich ist Cholesterin?

 
Was ist Cholesterin?

Fette werden im Blut an Eiweiß gebunden transportiert. Diese Fett-Eiweißverbindungen heißen Lipoproteine. Ihre Aufgabe ist es, den Organismus mit Aufbaustoffen zu versorgen. Zu diesen Stoffen gehört auch das Cholesterin, das für den Aufbau menschlicher Zellmembranen und für den Hormonstoffwechsel benötigt wird. Dabei kommt das Cholesterin in verschiedenen Formen von Lipoproteinen vor. Unterschieden wird zwischen folgenden Lipoproteinen: den sogenannten HDL (high density lipoproteins), Fetteiweißpartikeln von hoher Dichte, die relativ fettarm sind. Diese HDL-Partikel haben eine gefäßschützende Wirkung. Demgegenüber stehen die weniger dicht gepackten, stark cholesterinhaltigen LDL (low density lipoproteins) und die noch lockerer strukturierten VLDL (very low density lipoproteins).

Der größte Teil des Cholesterins wird in den LDL transportiert. Diese LDL-Partikel werden, wenn sie - z. B. durch zu fettreiche Ernährung oder bei Stoffwechselstörungen - im Übermaß vorhanden sind, in den Gefäßwänden abgelagert. Damit beginnt der Prozess der Arteriosklerose (Arterienverkalkung), der zur koronaren Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße) und zum Herzinfarkt führt.





Cholesterinspiegel und Infarktgefährdung

Eine überwältigende Anzahl von genetischen, experimentellen, pathologischen und epidemiologischen Untersuchungen (epidemiologische Untersuchungen erforschen die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten) hat übereinstimmend ergeben, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Serum-Cholesterinspiegel und der Zusammensetzung der Nahrung auf der einen Seite und der Häufigkeit der koronaren Herzerkrankung auf der anderen Seite besteht. Gleichzeitig ist man sich jedoch darüber einig, daß ein zu hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) nicht die einzige Ursache der koronaren Herzkrankheit ist, sondern daß ihr ein ganzes Ursachenbündel zugrunde liegt. Andere Risikofaktoren, die zur köronaren Herzerkrankung und damit zur Infarktgefährdung beitragen, sind: Rauchen, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit, Übergewicht, Bewegungsmangel und falsch verarbeiteter Streß zusammen mit anderen Faktoren wie Alter, Geschlecht, familiäre Belastung. Bei Gesunden ohne zusätzliche Risikofaktoren sind Gesamtcholesterinwerte bis zu 240 mg/dl akzeptabel.

Bei gesunden Menschen mit zusätzlichen Risikofaktoren sollten Cholesterinwerte unter 200 mg/dl erreicht werden. Verbesserung der Cholesterinwerte vorrangig durch fettarme Ernährung, Einstellung des Zigaretten- und Alkoholkonsums, körperliches Training und erst dann durch Einnahme von Medikamenten. Herzinfarkte und Bypass-Operationen lassen sich durch diese drastische Absenkung des Cholesterinwertes vermeiden. Patienten mit Herzinfarkt, Bypass etc. sollten LDL-Cholesterine unter 100 mg/dl haben. Inzwischen streben Kardiologen auch Werte von 75 mg/dl an.

Patienten mit koronarer Herzerkrankung, die beispielsweise bereits einen Herzinfarkt, eine Bypass-Operation oder eine Gefäßdilatation hinter sich haben, oder aber unter Angina pectoris-Beschwerden leiden, sollten Cholesterinwerte unter 180 mg/dl und LDL- Cholesterinwerte unter 100 mg/dl anstreben. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch eine drastische Senkung der LDL-Cholesterinwerte mittels Medikamenten aus der Gruppe der Staine unter 100 mg/dl nicht nur das Fortschreiten der Gefäßerkrankung aufgehalten wird, sondern dass sogar eine allmähliche Rückbildung der Koronarsklerose erreicht werden kann. Nicht bei allen Patienten wird es möglich sein, diese Werte zu erreichen. Wenn nach einer strikten Diätphase durch zusätzliche medikamentöse Therapie eine Absenkung der LDL-Cholesterinwerte um 35% erreicht wird, kann  mit einem günstigen Einfluss auf die Entwicklung der Koronarsklerose gerechnet werden. Noch bevor sich die Koronarsklerose zurückbildet, kommt es mit Absenkung der Cholesterinwerte zu einer Verbesserung der Funktion der Herzkranzarterien: Bei niedrigen Cholesterinwerten sind die Herzkranzgefäße besser in der Lage, sich zu erweitern, wodurch Durchblutungsstörungen vermindert werden. Ebenfalls ist inzwischen nachgewiesen, dass sich häufig Herzinfarkte und Bypass-Operationen durch eine solche Absenkung der LDL- Cholesterinwerte vermeiden lassen.
Das "böse" Cholesterin sollte mölichst niedrig sein. Das "gute" Cholesterin sollte möglichst hoch sein. Das optimale Verhältnis LDL/HDL sollte kleiner als 2,5 sein.

Verhältnis LDL-Chol/HDL-Chol von kleiner 2,5 anstreben
Noch wichtiger als das Gesamtcholesterin oder der isolierte LDL-Cholesterinwert ist - wie bereits angedeutet - das Verhältnis von LDL-Cholesterin zu HDL-Cholesterin. Das LDL-Cholesterin begünstigt das Fortschreiten der Koronarsklerose: Es sollte dementsprechend möglichst niedrig sein. Das HDL-Cholesterin stellt vermutlich einen Schutzfaktor für die Gefäße dar und begünstigt die Rückbildung von Gefäßveränderungen:. Dementsprechend sollte es möglichst hoch sein. Untersuchungen und Analysen haben gezeigt, dass es bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung zur Rückbildung von Gefäßveränderungen kam, wenn ein LDL-/ HDL-Verhältnis von höchstens 2,5 erreicht wurde, dies entspricht z.B. einem LDL-Cholesterin von 100 mg/dl und einem HDL-Cholesterin von 40 mg/dl. Diese Werte sind bei Vegetariern die Regel. Häufig können diese Werte bei Patienten jedoch nur durch konsequente diätische Maßnahmen in Kombination mit medikamentöser Lipidsenkung erreicht werden. Bei Patienten mit niedrigen HDL-Cholesterin-Werten, z.B. HDL 30 mg/dl, sollte das LDL-Cholesterin nach Möglichkeit deutlich unter 100 mg/dl gesenkt werden. Selbstverständlich sollten alle anderen Risikofaktoren ebenfalls optimal eingestellt werden. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein zu niedriger Cholesterinspiegel schädliche Auswirkungen hat.

Kann ein zu niedriger Cholesterinwert schädlich sein?
Es kommt immer wieder die Frage auf, ob ein zu niedriger Cholesterinspiegel nicht auch schädlich sein kann, ob nicht das Cholesterin für das Zell-Wachstum notwendig ist. Der Cholesterinspiegel ist natürlich unter anderem auch Ausdruck der Produktionsleistung der Leber. In Fällen, in denen die Leberfunktion nachläßt, sinkt dann auch der Cholesterinspiegel ab - was in diesem Fall aber Ausdruck einer schwerwiegenden Erkrankung ist. Ebenso ist das Cholesterin häufig bei bestimmten Tumoren erniedrigt, was teilweise durch den Cholesterinverbrauch, der mit dem Tumorwachstum einhergeht, zu erklären ist. Kinder haben in ihrer Wachstumsphase LDL-Cholesterinspiegel um 50-60 mg/dI. Vegetarier - die sich einer überdurchschnittlichen Gesundheit und Lebenserwartung erfreuen - haben LDL-Cholesterinwerte unter 100 mg/dl - beides Hinweise, dass niedrige Cholesterinwerte mit normalem Wachstum und überdurchschnittlicher Lebenserwartung verbunden sind. Es gibt keine Hinweise dafür, dass niedrige Cholesterinwerte das Wachstum von bösartigen Geschwülsten (Tumoren) begünstigen. Wie jeder andere Laborwert auch, kann der Cholesterinspiegel nicht isoliert betrachtet werden, sondern muß im Zusammenhang mit weiteren Befunden interpretiert werden.




Was ist ein Herzinfarkt?

Quelle: Merkblatt der Universität Essen und Alfried Krupp Krankenhaus Essen.
Fehlende Sauerstoffversorgung einer Herzregion führt in dem betreffenden Bereich zu einer Vernarbung des Herzens, was eine Einschränkung der Pumpkraft des Herzens zur Folge hat.

Normalerweise wird der Herzmuskel über die Herzkranzgefäße (Koronararterien) mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Im Laufe des Lebens können sich die Gefäße durch Verfettungen und Verkalkungen einengen. Durch Bildung eines Blutgerinnsels an der so geschädigten Gefäßwand kann eine Herzkranzarterie vollständig verschlossen werden. Dies hat zur Folge, daß der betroffene Bereich des Herzens zuwenig Sauerstoff und Nährstoffe erhält und zugrunde geht. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Durchblutungsstörung wird der so geschädigte Herzmuskel in eine kleinere oder größere Narbe umgewandelt. Die Größe dieser Narbe bestimmt die Einschränkung der Pumpkraft des Herzens. Beim Absterben des Herzmuskels kommt es oft zum Auftreten von lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen. Das Herz schlägt dann zu langsam oder kann wegen eines zu schnellen Herzschlages nicht mehr ausreichend Blut in den Kreislauf pumpen.




Welche Ursachen hat ein Herzinfarkt?

SYMPTOME Für den Betroffenen kommt der Infarkt zwar urplötzlich, in der Regel wird er jedoch schon über Jahre hinweg "angelegt": Die Durchlässigkeit der Herzkranzgefäße nimmt ab, wenn sich an ihren Wänden eiweißartige Stoffe und Blutfette (Cholesterin, Triglyzeride) ablagern; dadurch erhält der Herzmuskel ständig zu wenig Sauerstoff. Steigt nun bei körperlichen oder seelischen Anstrengungen der Sauerstoffbedarf zusätzlich an, so ist dies häufig Auslöser für einen Infarkt.

Aber auch ein akuter Verschluß durch einen Blutpfropf (Thrombus) führt zu einem Herzinfarkt.



Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Die ersten Maßnahmen bei einem Infarktpatienten dienen der Schmerzbekämpfung. So schnell wie möglich muß er in eine Klinik, wo auf der Intensivstation lebensrettende Maßnahmen durchgeführt und er optimal versorgt werden kann.



Wann sollte man zum Arzt gehen und was wird er tun?

So strahlen die Schmerzen bei einem Herzinfarkt.

Was wird der Arzt tun?.Wenn man Schmerzen in der Herzgegend verspürt dann ist das immer ein Grund, den Arzt aufzusuchen. Man muß sofort den (Not-)Arzt rufen, wenn man eines der geschilderten Symptome spürt.

WICHTIG

Bei Herzinfarkten ist schnelles Handeln notwendig. Die Überlebensquote könnte viel höher sein, wenn die Patienten den Ernst ihrer Lage gleich richtig einschätzen würden. Deshalb: Sofort den Notarzt rufen, wenn die beschriebenen Symptome auftreten!

Der Arzt wird zunächst Medikamente verabreichen, die den Schmerz lindern. Gegen die auftretende Angst gibt er Beruhigungsmittel.

Da der Arzt oft nicht sofort weiß, was vorliegt, wird häufig auch ein Nitropräparat gegeben. Uber eine Nasensonde wird der Patient mit Sauerstoff versorgt.

Auf der Intensivstation wird der Patient sofort an einen Monitor angeschlossen, mit dem Herzfrequenz und Herzrhythmus überwacht werden. Auftretende Herzrhythmusstörungen bekämpft man mit Medikamenten.

Das Blut wird untersucht, um die dort vorhandenen Enzyme zu bestimmen. Auch Herzmassage und künstliche Beatmung können notwendig werden. Nach der akuten Phase wird der stauende Arterienpfropf mit Medikamenten oder operativ aufgelöst.




Wie ist der Krankheitsverlauf eines Infarktes?

Stummer Infarkt

Etwa 10 Prozent der Infarkte verlaufen "stumm", es treten also keine Symptome auf. Der Betroffene merkt nicht einmal, daß er einen Infarkt hat. Das wird erst bei späteren Untersuchungen festgestellt.
Der Infarkt stellt sich ganz plötzlich mit einem heftigen Schmerz in der Brustbeingegend ein, der in Schultern, Arme, Hals und Oberbauch ausstrahlt. Der Patient leidet unter starken Angstzuständen, Atembeschwerden und den Anzeichen einer Herzschwäche (Blutdruckabfall, unregelmäßige Herzfunktion). Kalter Schweiß tritt ihm auf die Stirn.

Im Frühstadium des Infarkts kommt es häufig zu lebensbedrohlichen Komplikationen, wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand, Schock und Herzwandriß.



Was ist Arteriosklerose?

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Arterien sind die Gefäße, durch die das Blut vom Herzen in die verschiedenen Körperregionen gepumpt wird und sie mit Sauerstoff versorgt. Ist eine Arterie gesund, kann das Blut ungehindert hindurchfließen.

Mit der Zeit können an der Gefäßinnenwand durch verschiedene Einflüsse wie z.B. hohen Blutdruck und Blutfette arteriosklerotische Ablagerungen entstehen, sogenannte Plaques. Sie schränken den Blutfluß ein.

Eine so entstandene Plaque kann durch entzündliche Prozesse irgendwann aufbrechen. Der Organismus versucht daraufhin, durch Ablagerung von Blutplättchen und Bildung von Blutgerinnseln die "Wunde" abzudichten. Das Hindernis in der Blutbahn wächst weiter und behindert zunehmend den Blutfluß und damit die Sauerstoffversorgung der von der Arterie versorgten Organe.

Schließlich kann das Gefäß ganz verschließen. Geschieht das bei einem der Gefäße, die das Herz versorgen (Herzkranzgefäße), kommt es zum Herzinfarkt. Ist eine Arterie im Gehirn betroffen, besteht die Gefahr eines Gehirnschlags.




Wie funktioniert eigentlich ein Bypass?

Bypässe aus Wadenvene und linker innerer Brustvene überbrücken Gefäßverengungen infolge Plaqueablagerungen in den Koronararterlen. Die Wadenvene setzt an der Aorta an, die Brustvene an der linken Schlüsselbeinarterie. Beide Bypässe sind jeweils hinter der verengten Stelle an die Koronararterie angeschlossen.

(Übernommen aus S.A. Price und L. M. Wilson, Pathophysiology Clinical Concepts of Disease Progresses. New York: McGraw-Hill, 1978)
Ein koronarer Bypass hält die Blutzirkulation im Herzmuskel aufrecht, indem er Gefäßverengungen oder gar -blockaden überbrückt. Heutzutage verwenden die Kardiologen vor allem zwei Bypass-Methoden:

Im ersten Fall dient ein Stück der Wadenvene, die dicht unter der Hautoberfläche auf den Innenseiten der Beine verläuft, als Umleitung. Die Vene wird an der Aorta festgenäht, an dem verengten Abschnitt der Koronararterie vorbeigeführt und dahinter an die Arterie angeschlossen. Die Wadenvene wird deshalb gerne als Bypass verwendet, weil sie nicht zu den wichtigsten Gefäßen des menschlichen Körpers zählt, also nicht existenznotwendig für die Blutzirkulation in den Beinen ist.

Im zweiten Fall benutzen die Kardiologen einen Abschnitt aus der inneren Brustvene. Auch davon besitzt der menschliche Körper zwei, sie verlaufen beiderseits des Brustbeins. Bei den meisten Operationen wird nur das untere Ende der Brustvene verlegt, das obere Ende, das an die Schlüsselbeinarterie anschließt, bleibt unangetastet. In seltenen Fällen durchtrennen die Chirurgen aber auch die Brustvene und verwenden sie in gleicher Weise wie die Wadenvene als Bypass.

Und welche Methode ist nun die bessere?

Im Gegensatz zur Wadenvene scheint die Brustvene gegen Plaqueablagerungen resistenter zu sein. Das bedeutet: Sie bleibt länger als Bypass funktionsfähig, verschließt sich also nicht so schnell wie die Wadenvene. Untersuchungen ergaben, daß etwa 95 Prozent der Bypässe aus Brustvenen auch noch zehn Jahre nach der Operation durchgängig sind. Für Bypässe aus Wadenvenen trifft das nur in 60 bis 70 Prozent der Fälle zu. Mehr noch, ein Drittel der noch funktionsfähigen Bypässe aus Wadenvenen ist trotzdem schon durch arteriosklerotische Plaque verengt, dagegen bleiben Bypässe aus Brustvenen gewöhnlich völlig frei.
Klinische Forscher entdeckten noch weitere Aspekte: So haben Patienten mit einem Brustvenen-Bypass ein geringeres Komplikationsrisiko (erneuter Herzinfarkt, Tod), leiden weniger an Angina pectoris und müssen sich seltener einer Wiederholungsoperation unterziehen als Patienten mit einem Wadenvenen-Bypass.




Wie verläuft eine Bypass-Operation?

Gewöhnlich muß sich der Patient wegen der Voruntersuchungen ein bis zwei Tage vor der Operation im Krankenhaus einfinden. Häufig werden dann auch Atemübungen geübt, die vor und nach der Operation sinnvoll sind. Am Tag vor der Operation findet ein Aufklärungsgespräch mit dem zuständigen Anästhesisten, dem Narkosearzt, statt. Er erstellt eine ausführliche Anamnese und erklärt dem Patienten das bei der Operation angewendete Narkoseverfahren.

Am Abend vor der Operation wird der Patient gewöhnlich vom Kinn bis zu den Zehen rasiert, Brust und Beine werden (bei Entnahme einer Wadenvene) mit einer antiseptischen Lösung gewaschen. Diese Vorbereitungen verringern das Infektionsrisiko, sie sind daher sehr wichtig.

Ist der Patient sehr nervös, erhält er ein Schlafmittel. Etwa eine Stunde vor der Operation bekommt er dann meist noch ein leichtes Beruhigungsmittel. Anschließend wird er in den Operationssaal gebracht.

Dort bereitet der Anästhesist die Vollnarkose vor. Dazu legt er dem Patienten an einem Armgelenk eine intravenöse Kanüle an, stülpt ihm dann eine kleine schwarze Gurnmimaske über Nase und Mund und bittet ihn, einige Male tief einzuatmen. Und ehe sich der Patient versieht, ist er eingeschlafen - und bleibt es, bis die Operation beendet ist.

Es wurde obenstehend bereits erläutert, auf welche beiden Arten Bypässe um die blockierten Herzkranzgefäße gelegt werden. Je nach Anzahl der notwendigen Bypässe und Art der verwendeten Vene dauert die Operation zwischen vier und sechs Stunden, manchmal auch länger.

Nach Ende der Operation wird der Patient auf die (kardiologische) Intensivstation gebracht, wo er dann aufwacht. Ein Beatmungsschlauch versorgt ihn noch zwölf bis vierundzwanzig Stunden mit frischem Sauerstoff. Der Schlauch im Hals macht das Sprechen unmöglich; aber keine Sorge: Schwestern, Pfleger und Ärzte wissen, wie man sich mit einem »stummen« Patienten verständigt. Der Beatmungsschlauch verhindert natürlich auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Daher wird der Patient über eine Kanüle und eine Nasensonde künstlich ernährt.

Außerdem ist der Patient noch an eine ganze Reihe weiterer Katheter und Schläuche angeschlossen, wie etwa einen Drainagekatheter, der die Flüssigkeit aus dem Brustraum ableitet. Alle Katheter und Schläuche werden gewöhnlich am zweiten Tag nach der Operation entfernt.

Wenn Sie diese Schilderung jetzt sehr unangenehm berührt und Ihnen Angst macht, dann sollten Sie wissen: In der Zeit auf der Intensivstation erhalten Sie schmerzstillende und beruhigende Medikamente, so daß Sie Ihre Umgebung gar nicht so genau wahrnehmen, sondern eher Ihrer Genesung entgegenschlafen. Und auch das sollten Sie wissen: Sie werden die Tageszeiten nicht genau einschätzen können, weil die Intensivstation natürlich rund um die Uhr beleuchtet ist.

Ein oder zwei Tage nach der Operation wird der Patient von der Intensivstation auf die normale herzchirurgische Station verlegt. Gewöhnlich spürt der Patient jetzt Schmerzen im Brustbereich und auch in den Beinen (wenn eine Wadenvene entnommen wurde). Allerdings sind diese Schmerzen in den meisten Fällen auch ohne Medikamente erträglich. Wenn nicht, dann erhält der Patient natürlich Schmerzmittel.

Während und nach der Operation kann es zu Flüssigkeitsansammlungen in den Lungen kommen. Werden diese nicht entfernt, besteht die Gefahr einer Lungenentzündung. Längeres Liegen auf dem Rükken kann die Bildung von Flüssigkeitsansammlungen begünstigen Daher sollten Bypass-Patienten zumindest zeitweise besser auf der Seite liegen und ihre Position stündlich ändern. Zudem müssen sie eine bestimmte Technik erlernen, um die Flüssigkeit aus der Lunge auszuhusten. Manche Patienten machen sich Sorgen, weil sie sich schon bald nach der Operation bewegen sollen. Auch wenn die Brust beim Husten zu bersten scheint, besteht kein Grund zur Besorgnis: Das Brustbein wird durch etwa zehn stabile Stahldrähte zusammengehalten.

Und nicht zuletzt ist auch ein leichtes Fieber in den ersten Tagen nach der Operation sehr häufig und ebenfalls kein Grund zur Beunruhigung.

Wichtig: Heutzutage wollen viele Patienten vor einer Operation genau wissen, was auf sie zukommt. Das ist ihr gutes Recht. Fragen Sie daher Ihren Arzt, lassen Sie sich von ihm Informationsmaterial empfehlen (etwa eine Informationsbroschüre für Bypass-Patienten), und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar geblieben ist.




Sport - und Bewegungstherapie als Inhalte der Primär - und Sekundärprävention - Historie und Fakten

Fr. Dr. Müller, Hr. Lohmann, Quelle: Essener Kardiologische Kardiovaskuldre Nachrichten; 1.- 1997 Zunächst nach dem zweiten Weltkrieg: Behandlung von Herzinfarkten durch Ruhestellung und Schonung.

Die erste Antwort der klinischen Medizin auf die steigende Zahl der Herzinfarktfälle nach dem zweiten Weltkrieg bestand zunächst in weitgehender Ruhigstellung und Schonung des Patienten. Man ging gewissermaßen von der Vorstellung aus, daß der Herzinfarkt so etwas sei wie ein gebrochenes Bein und daß diesem "gebrochenem Herzen" mindestens die gleiche Zeit zugebilligt werden müsse, um zu vemarben, die bei einem Beinbruch erforderlich ist. Folglich wurde der Herzinfarktpatient für mindestens 6 Wochen zur Bettruhe verpflichtet und auch sein "Leben danach" sollte sich vor allem durch physische und psychische Schonung, im besten Falle durch Rückzug aus dem Berufsleben, auszeichnen.
Diese Form der Behandlung war Ausdruck einer stark technisierten Medizin, die den Menschen immer mehr an einer Maschine maß. Im Gegensatz zu dieser bestehen im biologischen Bereich jedoch eigene Reparations- und Adaptionsmechanismen, die gefördert werden müssen. ROUX formulierte bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts sein biologisches Grundgesetz, wonach die Qualität der Struktur und Funktion eines Organs neben seiner genetischen Determinierung entscheidend von seiner funktionellen Belastung abhängt.

1965 Gründung der ersten Herzsportgruppe.
Mitte der 50er Jahre wurden durch KNIPPING im Bereich der Kölner Medizinischen Universitätsklinik erste Drehkurbelergometertrainings mit Herzinfarktpatienten durchgeführt. HOLLMANN führte diese fort und trieb die Forschung auf diesem und anderen Gebieten voran.

Die neuerlangte Bedeutung der sportmedizinischen Forschung drückte sich nicht zuletzt durch die Gründung des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin aus (1958). Eine Folge der bald erworbenen neuen Erkenntnisse war die Gründung der ersten Herzsportgruppe durch HARTMANN (1965). Der Bedarf war groß. In zunehmendem Maße wollte der Patient selbst aktiv an der Verbesserung seiner Gesundheit mitwirken. In der körperlichen Aktivität drückt sich dieser Wunsch nach aktivem Handeln augenfällig aus. In den vergangenen 31 Jahren ist die Anzahl der Herzsportgruppen auf über 2000 angestiegen. Bei weiter steigender Tendenz.
Wichtig ist das Zusammenspiel von Spannung und Endspannung und von Belastung und Schonung. Ausdauertraining bewirkt, daß das Herz ökonomischer arbeitet. Durch eine Verbesserung des HDL-LDL-Cholesterinquotienten wird die Gefahr einer arteriosklerotischen Herzkreislauferkrankung vermindert.
Damals wie heute galt in der Medizin und im Sport das Zusammenspiel von Spannung und Entspannung, bzw. von Belastung und Schonung. Je schwerer und akuter die Erkrankung, um so mehr muß das Prinzip der Ruhigstellung im Vordergrund stehen. Je länger der Krankheitsverlauf, um so mehr müssen jedoch durch eine vemünftige Belastung auch die reparativen und ausgleichenden Kräfte des Körpers gestärkt werden, die die Krankheitsfolgen überwinden helfen. Hier bestehen Ansatzpunkte für die Sport- und Bewegungstherapie in der Sekundärprävention.

Nachfolgend wird der positive Einfluß von Sport- und Bewegungstherapie auf einige ausgewählte Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes mellitus und Hypercholesterinämie dargestellt. Bei der Sport- und Bewegungstherapie mit Hypertonikern hat sich leichtes Training im Ausdauerbereich als Mittel der Wahl etabliert. Durch diese Maßnahmen wird die Kapillarisierung in der beanspruchten Muskulatur vergroßert, wodurch eine Senkung des Widerstandes erreicht wird. Desweiteren unterstützt ein Ausdauertraining die häufig notwendige Gewichtsreduktion bei Patienten mit Bluthochdruck. Durch die bei körperlicher Betätigung auftretende erhöhte Schweißproduktion kommt es zu einer, bei diesem Befund positiven Vermehrung der Kochsalzausscheidung. Das Herz-Kreislauf-System adaptiert und arbeitet ökonomischer, wodurch die Reaktionslage von einer sympathikotonen zu einer vagoton bestimmten wechselt. Die positive Wirkung von Ausdauertraining im Sinne einer Verbesserung auf den HDL/LDL-Quotienten muß hier ebenfalls erwähnt werden. Durch sie kann die Gefahr einer arteriosklerotischen Herzkreislauferkrankung vermindert und eventuell schon bestehende zusätzliche Risikofaktoren in ihrem negativen Einfluß entschärft werden. Nicht zuletzt führt die, für den Sport notwendige Selbstdisziplinierung zu einer verbesserten Compliance. Dies geschieht durch gezielte Aufklärung des Patienten über die Zusammenhänge seiner Krankheit.
Körperliche Belastung stellt somit ein hervorragendes Mittel zur Blutzuckersenkung dar.

Unter den Bedingungen einer längeren körperlichen Belastung kommt es auch beim gesunden Nichtdiabetiker zu einer mäßigen Senkung des Blutzuckerspiegels im Bereich von 20-30 mg%. Bei Diabetikern ist eine wesentlich ausgeprägtere Senkung des Blutzuckerspiegels zu beobachten. Unter körperlicher Belastung entnimmt die Muskelzelle dem Blut vermehrt Glucose. Körperliche Belastung stellt somit ein hervorragendes Mittel zur Blutzuckersenkung dar. Auch langfristige Verbesserungen der diabetischen StoffwechseIsituation lassen sich durch ein solches Training erzielen. So wird z.B. die Glucosetoleranz erhöht.
Eine ausdauerorientierte Bewegungstherapie führt zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterins und zur Senkung des LDL- Cholesterins und erfüllt damit eine wesentliche Voraussetzung zur Besserung des artereosklerotischen Krankheitsverlaufes.

Eine mögliche Erklärung hierfür liegt in der verstärkten Bindung zwischen Insulin und Rezeptoren, was gerade für den Typ-II-Diabetiker wichtig ist, bei dem häufig eine Insulinresistenz vorliegt. Aufgrund der verbesserten Verbrennung von Glucose und der damit einhergehenden verringerten Verbrennung von Fetten unter körperlicher Belastung, vermindert sich die Gefahr einer Ketoazidose. Diätische Maßnahmen mit dem Ziel der Gewichtsreduktion werden durch Ausdauertraining wesentlich unterstützt.

Auch bei der Hypercholesterinärnie tragen körperliche Aktivität und diätische Programme zur Gewichtsreduktion bei. Ähnlich wie beim bergewichtigen, sollte ein möglichst hoher Kalorienverbrauch durch Sport erzielt werden. Anzustreben ist eine körperliche Aktivität "im Werte" von täglich 300-400 Kilokalorien (ca. 1 Stunde Gehen für eine 75 kg schwere Person). Zahlreiche Untersuchungen ergaben, daß die Beeinflussung der Lipo-Proteinfraktionen durch Mehraktivität auch für Patienten mit koronarer Herzkrankheit zutrifft, d.h., unter ausdauerorientierter Bewegungstherapie kommt es zu einer Erhöhung des HDL-Cholesterins und zur Senkung des LDL- und VLDL-Cholesterins. Zusätzlich zur reaktiven Mehrdurchblutung wird über den belastungsinduziert erhöhten Umsatz der zirkulierenden Triglyzeride und freien Fettsäuren ein erhöhter peripherer Cholsterinaustausch garantiert. Mit diesen biochechemischen Anpassungseffekten an eine ausdauerorientierte Bewegungstherapie sind somit wesentliche Voraussetzungen zur Rückbildung bzw. Verlangsamung der arteriosklerotischen Krankheitsverlaufs gegeben.
Sport und Bewegung in der richtigen Dosierung
Selbstverständlich gilt es, Sport und Bewegung nicht unkritisch anzuwenden, sondern im gleichen Sinne wie auch sonst ärztliche Behandlungsverfahren, nämlich in einem individuell den Möglichkeiten des Patienten angepaßten und überwachten Rahmen, also in Form einer individuell dosierten und kontrollierten Belastung.
Durch gezielte körperliche Aktivität wird der Mensch zwar nicht älter, aber doch gesünder alt.

Es steht außer Zweifel, daß Sport und Bewegung, in der richtigen Dosierung und Ausführung, genauso zur Primärprävention eingesetzt werden können und sollten. Durch gezielte körperliche Aktivität wird der Mensch so zwar nicht älter, aber doch gesünder alt.

Literatur:
1) Berg, A. , Rost, R. : Sportmedizin und Leistungsphysiologie. In Brusis, 0. A. und Weber-Falkensammer, H. (Hrsg.): Handbuch der Herzgruppenbetreuung, Erlangen 1990
2) Hollmann, W. (Hrsg.): Medizin - Sport - Neuland, St. AugUstin 1994
3) Rost, R. (Hrsg.): Sport- und Bewegungstherapie bei inneren Krankheiten, Köln 1991





Ist Arteriosklerose eine Infektion?

Das Herz: Ratgeber aus Ihrer Apotheke für Herz- und Kreislauf
Spannend wie ein Krimi: die neuen Entdeckungen der Herz- und Kreislaufforschung.Unter Tatverdacht: Chlamydia pneunomiae.

Mit großer Skepsis wurde diese revolutionäre Theorie anfänglich in Wissenschaftlerkreisen diskutiert. Es mehrten sich dann Stimmen, die einräumen, dass an der kühnen These tatsächlich "einiges dran sein könnte".

Einer der ersten, die sich für die neue Hypothese stark machten, war Professor Dr. Wolfgang Stille aus Frankfurt. Er ist kein Herz-Kreislaufspezialist, sondern hat sich als Infektiologe mit der Arteriosklerose beschäftigt.

Heißen die Übeltäter Chlamydien?
Stille fiel auf, daß sich in den Gefäßveränderungen ungewöhnlich häufig Bakterien oder zumindest Bakerienteile nachweisen lassen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um einen bestimmten Chlamydienstamm (Chlamydia pneumoniae), der vor allem als Erreger von Lungenentzündungen gilt. Dieses Bakterium scheint, so die neue Theorie, über die Blutbahn in die Gefäßwand einzudringen. Prompt bilden sich am "Tatort" eine Reihe von Veränderungen, unter denen vor allem entzündliche Reaktionen auffallen. Bedeuten etwa Chlamydien fürs Herz das, was für den Magen das Bakterium Helicobacter pylori bewirkt? Können Chlamydien die gefürchtete Arteriosklerose auslösen oder beschleunigen, so wie Helicobacter Magengeschwüren den Weg bereitet? Die These scheint gewagt, und endgültige Gewißheit werden gründliche Studien und mit ihnen die Zeit bringen wie im Fall des erst kürzlich entdeckten Helicobacter pylori. Chlamydien können, wie es scheint, im Zusammenspiel mit bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und hohen Blutfetten einer Arteriosklerose Vorschub leisten eine These, die inzwischen auch von gestandenen HerzKreislaufspezialisten zunehmend akzeptiert wird.

Trittbrettfahrer oder Hauptschuldige?
Die Hinweise, daß die Argumente Professor Stilles Hand und Fuß haben, nahmen zu: Untersuchungen ergaben, dass Proteine aus Chlamydien bei immerhin 40 bis 60 Prozent der Patienten mit Arteriosklerose und Herzerkrankungen zu finden sind. Auch Patienten mit Lungenödem oder schwerer Lungenentzündung wiesen ungewöhnlich häufig Teile des Bakteriums in der Gefäßwand der Aorta auf. Bei gesunden Menschen ließen sich die Erreger hingegen nicht nachweisen. In das neue Konzept der Arteriosklarose-Entstehung passten zudem Befunde aus dem Jahre 1988. Damals fiel bereits auf, daß Menschen mit Herzinfarkt und koronarer Herzerkrankung im Blut erhöhte Mengen an Antikörpern gegen den Chlamydienstamm, der erst Mitte der 80er Jahre entdeckt wurde, aufweisen. Offen bleibt die Frage: Sind Chlamydia pneumoniae Trittbrettfahrer in ohnehin schon geschädigten Gefäßen, oder sind sie für die Gefäßschädigung verantwortlich? Wäre eine Infektion der Blutgefäße mit dem Keim die eigentliche Ursache der Arteriosklerose, müßte sie  als Infektionskrankheit gelten. Damit allerdings könnten sich auch neue ungeahnte Therapiechancen eröffnen, denn bakterielle Infektionen sind in aller Regel gut mit Antibiotika zu behandeln. Ob dies auch bei der Arteriosklerose gelingt, wird derzeit in klinischen Studien geprüft.

Die alten Sündenböcke bleiben
Die neue Theorie ändert nichts an den bisherigen Empfehlungen und am Konzept der Risikofaktoren, deren Zusammenspiel die Gefäßschädigung begünstigt. Selbst wenn sich die Infektionstheorie mit endgültiger Sicherheit bestätigt, fördern und beschleunigen bekannte Risikofaktoren, wie Rauchen, Bluthochdruck, zu hohe Cholesterinspiegel, Übergewicht und Bewegungsarmut die Verengung der Adern und bereiten Herzinfarkt und Schlaganfall den Boden. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern.




Erstmals Gene ins Herz injiziert - Zur Bildung neuer Blutgefäße

New York (dpa) Cinetic 1998 Meldung vom 6.1.1998
In einem bisher einzigartigen Experiment haben US-Forscher versucht, das Wachstum neuer Blutgefäße im Herz durch Injektion von Genen zu forcieren. Der Patient ist ein 60 Jahre alter Mann, dessen Herzarterien durch Arteriosklerose so stark verstopft waren, daß eine Bypass-Operation ihm nicht mehr helfen kann.

Ronald Crystal und seine Kollegen von der Cornell Universität in New York benutzten ein Gen (Vascular Endothilial Growth Factor - VEGF), das ein blutgefäßbildendes Eiweiß produziert. ÇDurch Injektion dieses neuen Gens fordern wir das Herz auf, Ausweichstraßen um die verstopften Arterien herum zu bildené, erläuterte Crystal das Verfahren in einer Pressemitteilung seiner Universität.

Zum Transport der VEGF-Gene bedienten sich die Forscher abgeschwächter Schnupfenviren. Diese ÇAdenovirené schleusten das genetische Material in die Zellen des Herzmuskels. Die neuen Kranzgefäße hofft Crystal in etwa drei Monaten sehen zu können.

In einem anderen Experiment hatte Jeffrey Isner von der Tufts Universität in Boston kürzlich das Wachstum neuer Arterien in Beinen stimuliert. Nach einem Bericht der Tageszeitung ÇUSA Todayé vom Dienstag erklärte Isner jetzt, daß die Gentherapie bei etwa zwei Drittel der 21 von ihm behandelten Patienten erfolgreich war. Die neugebildeten Gefäße ermöglichten, daß der Blutfluß um die verstopften Arterien in den Beinen umgeleitet werden konnte.




Ärzte regen verstopfte Herzgefäße zu neuem Wachstum an

Fulda (dpa) Cinetic 1998
Meldung vom 20.2.1998

Es handelt sich um ein Eiweißmolekül, das in einen Fibrinkleber eingebettet und direkt an die verstopfte Stelle kleiner Herzkranzgefäße injiziert wird. Hoffnung für Herzpatienten: Mit einem Eiweiß regt ein Ärzteteam aus Fulda (Hessen) verstopfte Herzgefäße zu neuem Wachstum an. Das einzigartige Verfahren, das Bypass-Operationen einmal überflüssig machen könnte, wurde am Klinikum Fulda bislang an 20 Patienten erfolgreich erprobt.

Es gab keinerlei Nebenwirkungen, alle Patienten sind beschwerdefreié, sagte Thomas Stegmann von der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Methode wird am kommenden Montag auch im US-Fachjournal Circulationé vorgestellt.

Bei dem Wachstumsfaktor FGF (Fibroblast Growth Factor) handelt es sich um ein Eiweißmolekül, das in einen Fibrinkleber eingebettet und direkt an die verstopfte Stelle kleiner Herzkranzgefäße injiziert werde, erläuterte Stegmann. Dort regt es die Bildung neuer Blutgefäße an, die praktisch wie eine Umleitung um die verstopfte Stelle herumwachsen und den Blutfluß wieder herstellen. Die Durchblutung stieg dort um den Faktor 20 ané, berichtet Stegmann.

Bislang werde das Verfahren jedoch erst zusätzlich zu Bypass- Operationen und noch nicht als Alternative dazu angewandt. ÇWir suchen noch nach Methoden, das Eiweiß über einen endoskopischen Eingriff oder Katheter auch ohne eine offene Operation genau zu plazieren.é Der Wachstumsfaktor wird in einem aufwendigen Verfahren mit Hilfe von Bakterien (Escherichia coli) gentechnisch gewonnen.




Wie wirken die Cholesterinsynthesehemmer (Statine)?

Ärztezeitung 18.9.1997

Die jahrelang gültige Vorstellung, daß der Grad der Stenosierung von Koronararterien mit der Häufigkeit von Herzinfarkten korreliert, läßt sich so heute nicht mehr aufrechterhalten.

Berlin (wma). Durch eine cholesterinsenkende Therapie wird möglicherweise auch über eine Verringerung der endothelialen Dysfunktion und Verminderung der Makrophagenaktivierung die Häufigkeit ischämischer kardialer Ereignisse bei den Patienten verringert.

Die jahrelang gültige Vorstellung, dass der Grad der Stenosierung von Koronararterien mit der Häufigkeit von Herzinfarkten korreliert, läßt sich so heute nicht mehr aufrechterhalten. Das hat Professor Wilhelm Krone von der Universitätsklinik Köln auf einem Klinik-Workshop in Berlin gesagt.

Post-mortem-Studien hätten ergeben, daß etwa zwei Drittel aller Läsionen, die eine instabile Angina pectoris oder einen Myokardinfarkt bedingten, einen Stenosegrad von weniger als 50 Prozent aufwiesen, erläuterte Krone während der Veranstaltung, die von dem Unternehmen Bayer Vital ausgerichtet worden ist. Heute gehe man davon aus, daß die klinische Prognose vor allem durch die Plaquestruktur bestimmt werde. In mehreren Studien ist nachgewiesen worden, daß durch eine medikamentöse Cholesterinsenkung die Häufigkeit klinischer Komplikationen um über 50 Prozent reduziert worden ist, obwohl an angiographisch darstellbaren Stenosen nur geringgradige Veränderungen nachweisbar gewesen sind.

Instabile oder vulnerable Plaques seien durch einen relativ großen lipidreichen Kern mit dünner fibröser Kappe gekennzeichnet. Das Einreißen und damit Thromboserisiko sei bei diesen Plaques hoch, erklärte Krone. Besonders gefährdet seien die Patienten durch eine veränderte Endothelfunktion mit paradox erhöhter Vasokonstriktion und durch die Makrophagenaktivierung.

In letzter Zeit hätten sich vermehrt klinische und experimentelle Hinweise ergeben, berichtete Krone, daß Cholesterinsynthesehemmer - Statine - möglicherweise nicht nur das Plasmacholesterin senkten, sondern auch direkt auf die Gefäßwände wirkten. So wurde eine Reduktion des Plaquekerns, eine Verbesserung der endothelialen Dysfunktion, eine verminderte Makrophagenaktivierung auf die glatten Gefäßmuskelzellen nachgewiesen.

Dies könnte in Zukunft Möglichkeiten für differenzierte Therapieansätze bei Patienten mit Atherosklerose eröffnen, sagte Krone.




Ein Schnelltest verrät den "stillen" Herzinfarkt

Vital-Tips zusammengestellt von Prof. H. Bankhofer

Nach wie vor ist der Herzinfarkt in Deutschland der Killer Nummer eins. Vor Krebs und Schlaganfall. Die meisten erleiden einen sogenannten "großen" Infarkt. Mit klaren Symptomen, die eine Diagnose leicht machen: heftige Schmerzen in der Brust, deutliche Veränderung im EKG. Diesen Patienten kann sofort geholfen werden. Das Problem waren bisher die sogenannten "stillen" Herzinfarkte,die man gar nicht oder erst viel zu spät erkennt. Nun hat eine beachtenswerte medizin-technologische Neuheit eine Revolution in der Herzinfarkt-Diagnose ausgelöst.
Bei dieser Neuheit handelt sich um einen einfachen Teststreifen, mit dem man mittels einiger Blutstropfen binnen weniger Minuten feststellen kann,ob jemand einen Herzinfarkt erlitten hat oder nicht. Der sogenannte Troponin-T-Teststreifen ist bereits bei vielen Ärzten im Einsatz.

Es geschieht tagtäglich rund um uns: in der Wohnung, auf der Straße, im Auto. Jemand klagt über belkeit, über einen Druck im Brustkorb, über Schmerzen im linken Arm, wie das auch bei Wirbelsäulenproblemen der Fall sein kann. Dann ist alles wieder vorbei. In Wahrheit hatte der Beroffene einen "stillen" Herzinfarkt. Er geht nicht zum Arzt. Erst wenn die Beschwerden verstärkt wieder auftauchen. In der Zwischenzeit kann es im Organismus zu schweren Schäden kommen. Es kann aber auch ein plötzlicher Tod die Folge sein.

Einer aktuellen Statistik zufolge erleiden in Deutschland jährlich 20.000 Menschen einen Herzinfarkt und erfahren es erst per Zufall danach. Die Dunkelziffer derer, die nicht ärztlich registriert werden oder die es nie erfahren, ist noch viel höher. Ein nicht erkannter Herzinfarkt aber bedeutet: keine Behandlung, eine falsche Behandlung, eine mangelhafte Behandlung oder im schlimmsten Fall den Tod. Der neue Teststreifen wurde an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg von Priv. Doz. Dr. Hugo A. Katus und einem Team der Boehringer Mannheim Forschung entwickelt. Bei einem Herzinfarkt, und ist er noch so gering, tritt das Eiweißmolekül Troponin T aus der Herzmuskelzelle ins Blut aus. Bei einem gesunden Menschen läßt sich dieses Troponin T nicht bestimmen. Darum der Name: Troponin-T-Test. Wenn also bei jemand der Verdacht auf Herzinfarkt besteht, nimmt der Arzt aus der Armbeuge des Betreffenden Blut ab. Ein paar Tropfen werden auf ein bestimmtes Feld des Teststreifens aufgetragen. Bereits nach wenigen Minuten ist das Ergebnis abzulesen. Sind 2 rote Striche zu sehen, dann war es ein Herzinfarkt, bei einem Strich war es keiner.




Etwa die Hälfte der Infarkte mit EKG nicht zu entdecken

Ärzte Zeitung, 28.11.1997

Nach neuen Studien liege die Sensitivität des EKG bei nur etwa 50 Prozent, so der Kardiologe von der Hamburger Universität. "Das heißt, ungefähr die Hälfte der Infarkte können wir nicht im EKG entdecken."
Hamburg (ab). Bei Patienten mit Verdacht auf Myokardinfarkt beruht zwar "die Diagnosefindung heute im wesentlichen auf den EKG-Kriterien. "Aber", warnte Professor Christian W. Hamm auf dem Intensiv- und Notfallmedizin-Kongreß in Hamburg, "das EKG ist nicht so zuverlässig, wie wir es allgemein erwarten."

Schwierig sei es zum Beispiel, im EKG einen Infarkt bei Linksschenkelblock zu erkennen, einen strikt posterioren Infarkt oder einen rechtsventrikulären Infarkt. Welche EKG-Zeichen kennzeichnen solche Infarkte?

Bei einem Patienten mit Linksschenkelblock korreliere eine ST-Strecken-Hebung von mindestens zwei Millimetern bei positivem QRS-Komplex am besten mit der Infarktdiagnose. Deutlich geringer sei die Sensitivität einer RST-Strecken-Hebung von mehr als fünf Millimetern bei negativem QRS-Komplex. Als letzten, allerdings am wenigsten sensitiven EKG-Parameter für einen Infarkt bei Linksschenkelblock nannte Hamm eine ST-Strecken-Senkung in den Ableitungen V1 bis V3 von einem Millimeter und mehr.

Ein strenger posteriorer Infarkt wiederum sei gekennzeichnet durch Erhöhungen der R-Zacke und der T-Welle in den Ableitungen V1 und V2 und eventuelle T-Strecken- Erhöhungen in den erweiterten Brustwandableitungen V8 und V9.

Um einen rechtsventrikulären Infarkt erkennen zu können, die üblicherweise im Zusammenhang mit Hinterwandinfarkten auftreten, empfiehlt Hamm, immer auch rechtsthorakale Ableitungen zu schreiben. ST-Strecken-Hebungen in den Ableitungen V3 und V4 rechtsthorakal deuteten auf eine Beteiligung des rechten Ventrikels.




Nach einem Herzinfarkt klagen viele Patienten über extreme Wetterfühligkeit

Ärzte Zeitung, 9.7.1998

Nach Untersuchungen des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) in München sind es jedoch vor allem Herzinfarkt-Patienten, die - oft sogar extrem - an Wetterfühligkeit leiden: Sie sind dreimal stärker betroffen als die Normalbevölkerung.
Neu-Isenburg (run). So manchem schlägt schon mal das Wetter aufs Gemüt. Nach Untersuchungen des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) in München sind es jedoch vor allem Herzinfarkt-Patienten, die - oft sogar extrem - an Wetterfühligkeit leiden: Sie sind dreimal stärker betroffen als die Normalbevölkerung.

"Wir haben dieses Phänomen bei der Follow-up-Auswertung von Patienten des Augsburger Herzinfarktregister gefunden", sagte Dr. Hannelore Löwel, Leiterin des Registers und Mitarbeiterin am GSF im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Dabei wurde festgestellt, daß 72 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer noch zwei bis zehn Jahre nach dem Infarkt über eine extrem belastende Wetterfühligkeit klagen.

Bereits aus anderen Studien ist bekannt, daß bestimmte Wetterlagen sich offenbar ungünstig auf das Herzkreislaufsystem auswirken. Sie sind auch die Basis für die Angaben zum medizinischen Wetter, wie sie vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach herausgegeben werden. So sind bei der Auswertung von Todesfällen im Herz-Kreislaufbereich eindeutige Zusammenhänge mit thermischer Belastung, vor allem bei hoher Strahlungstemperatur, wenig Wind, hoher Bewölkung und hoher Luftfeuchtigkeit festgestellt worden, wie Dr. Klaus Bucher vom Wetterdienst Freiburg berichtet.




Tritt der Infarkt beim Sport ein, sind oft instabile Plaques die Ursache

Ärzte Zeitung, 12.11.1997

Männer mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, die mit körperlichem Training beginnen möchten, sollten unbedingt vorher ihren Cholesterinspiegel bestimmen lassen. Erhöhte Spiegel sollten vor Beginn des Trainings gesenkt werden. Sonst besteht bei Personen, die bereits Plaques haben, das Risiko einer Plaqueruptur und damit eines Herzinfarktes.

Orlando (Rö). So hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Renu Virmani vom Armed Forces Institute of Pathology in Washington D. C. bei der 70. Jahrestagung der American Heart Association in Orlando im US-Staat Florida ihre Kollegen gewarnt. Die Pathologen haben die Herzen von Männern untersucht, die plötzlich in einer Ruhephase an einer kardialen Ursache gestorben waren.Verglichen wurden die Befunde mit denen von Männern, die während körperlicher Belastungen gestorben waren. Bei 62 Prozent der Männer, die beim Training gestorben waren, wurden Plaquerupturen nachgewiesen. Sie wurden jedoch nur bei 28 Prozent der Männer gefunden, die in Ruhe gestorben waren. Die beim Sport Gestorbenen hatten höhere Cholesterin- Spiegel, und es wurden bei ihnen mehr instabile Plaques gefunden mit der charakteristischen Fibrosekappe, gefüllt mit Makrophagen. Deshalb sollten vor Beginn des Übungsprogramms die Plaques stabilisiert werden. Dies ist, wie bekannt, durch eine Cholesterinsenkung zu erreichen.




Zukunft der Koronarangiographie - Kann man auf bisherige Standards verzichten ?

Herz 23: 141 - 142, (1998)

Die anfangs gestellte Frage "Zukunft der Koronarangiographie - Kann man auf bisherige Standards verzichten?" konnte erwartungsgemäß nicht eindeutig beantwortete werden. Es waren mehrere Aspekte zu trennen:
Am 25.10.1997 fand im Rahmen sich wiederholender Symposien am Herzzentrum Völklingen ein Erfahrungsaustausch über zukünftige Entwicklungen im Anwendungsbereich der Koronarangiographie statt. Vorgesehen sind folgende Programmpunkte:
Die Teilnehmer gehörten unterschiedlichen Gruppen an (Schwestern/Pfleger der SHG, Patienten, Internisten, Assistenten der Abteilung und fachspezifische Teilnehmer). Man kann das Symposium als Erfolg verbuchen. Der überwiegende Vorteil war die sehr aktuelle und praxisbezogene Darstellung der einzelnen Themen durch die kompetenten Referenten und die sich daran
anschließende sachliche Diskussion im kleineren Kreis.

Die anfangs gestellte Frage "Zukunft der Koronarangiographie - Kann man auf bisherige Standards verzichten?" konnte erwartungsgemäß nicht eindeutig beantwortete werden. Es waren mehrere Aspekte zu trennen:


Alternative Methoden der Koronarangiographie, die den gleichen oder einen ähnlichen Qualitätsstandard besitzen wie die invasive "konventionelle" Koronarangiographie, sind derzeit nicht vorhanden. Es wurden drei Verfahren diskutiert:
Die Synchrotrondichromographie ist ein Verfahren, das unter derzeit noch hohem technischen Aufwand eine sehr gute räumliche Auflösung der kontrastmittelgefüllten Koronarien bietet (20 bis 30 ml intravenös), aber keine Sequenzen der Bewegungsabläufe liefert. Die methodisch bedingten berlagerungen der proximalen Gefäßabschnitte (etwa des linken Hauptstamms) schränken die praktische Anwendung heute noch ein. Technische Entwicklung ist notwendig.

Die Elektronenstrahltomographie bedient sich der tomographischen, also Schnittbild liefernden, Technik eines sehr schellen Bildaufbaus. Dieser stellt die Kranzgefäßstrukturen bei intravenöser Injektion von ca. 120 ml Kontrastmittel gut dar, so daß bei der Anwendung von computergestütztem Rendering und Generierung von 3D-Bildern auch proximale Gefäßabschnitte darstellbar sind, diese aber von der räumlichen Auflösung her verbessert werden müssen. Immerhin kann man die Offenheit von Bypässen und eingebrachten Stents mit einer ausreichenden Genauigkeit beurteilen (Sensitivität und Spezifität um 90%, gemessen an der konventionellen Koronarographie). Die peripheren anatomischen und funktionellen Gegebenheiten der Bypass-Grafts, denen klinisch meist eine größere Bedeutung zukommt als der eher pauschalen Aussage einer Graft-Offenheit, lassen sich derzeit noch nicht mit ausreichender Bildqualität nachweisen.

Dem gegenüber stehen neuartige Informationen der EBT-Methode, die die Darstellung von koronaren Kalzifizierungen zum Gegenstand haben. Hier besteht eine sehr hohe Erkennungsqualität des EBT-Verfahrens, die über der der konventionellen Koronarographie liegt. Der klinische Wert des Kalknachweises liegt in seiner prädiktiven Potenz. Abwesenheit von Koronarkalk macht das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit in hohem Maße unwahrscheinlich. Die Kalkmenge steht im Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung und hat Beziehung zur Gefahr, einen Infarkt zu erleiden. Somit ergeben sich aus der Untersuchung auch wertvolle präventive Hinweise, da Risikogruppen leichter erkannt werden können.

Die Kernspinresonanz (NMR) leistet ebenfalls Beiträge zu kardiologischen Bilddiagnostik. Hinsichtlich der Bildqualität bleibt sie jedoch hinter den vorher besprochenen Verfahren zurück, ist aber in der Lage, völlig nichtinvasive Stoffwechselinformationen aus dem Herzen zu gewinnen, die in ihrer Wertigkeit denjenigen der Positronenemissionstomographie (PET) ebenbürtig sind.

Als Gesamtergebnis ist festzuhalten: Man kann zwar am Horizont Methoden erkennen, die vielleicht in der Zukunft nach weiterer technischer Entwicklung in der Lage sein werden, einen Teil der koronarangiographischen Diagnostik abzudecken. Diese letztere Methode wird ihren Platz als Goldstandard behalten, auch im Hinblick auf Kosten und Kostenentwicklung (eine EBT-Anlage, die mit traditionellen CT-Geräten nichts gemeinsam hat, kostet derzeit ca. 4 Millionen DM).




Stress verengt Herzkranzgefässe

Quelle: Gullette ECD et al: JAMA 1997, 277,1521
Mittleman AM, Maclure M: JAMA 1997, 277,1558 (Editorial) Pressedienst für die Ornish-Herzgruppe, 18.11.1997


(asp) Spannung, Traurigkeit und Frustration können bei Menschen, die an Durchblutungsstörungen des Herzens leiden, das Risiko von Anfällen verdoppeln. Glücksgefühle senken das Risiko annähernd um die Hälfte. Das Gefühl, alles im Griff zu haben, senkt es um etwa ein Viertel. Das zeigt eine der bisher gründlichsten Untersuchungen an über hundert Herzpatienten in Durham, North Carolina.
Die Patienten trugen 48 Stunden lang ein kleines Gerät auf sich, das ein lückenloses Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnete. Tagsüber notierten sie ungefähr dreimal pro Stunde ihren aktuellen Gefühlszustand. Die Auswertung zeigte, dass eine Stunde nach negativen Gefühlsereignissen die Durchblutung des Herzmuskels am meisten beeinträchtigt war.

Solche Durchblutungsstörungen sind zuerst im EKG erkennbar. Verstärken sie sich, dann kommt es zu Angina pectoris, einem ausstrahlenden Schmerz im Brustkorb, verbunden mit Atemnot. Angina pectoris ist ein Warnsignal für Herzinfarkt. (Astra-Pressedienst)




Kasteien für das Herz

Quelle: DER TAGESSPIEGEL 18.Juli 1999
VON ADELHEID MÜLLER-LiSSNER


Rohes Gemüse, Sport, Yoga: Das Lebensstil -Programm des Amerikaners Dean Ornish ist radikal und wirksam Das Konzept hat einen Namen: Es heißt nach dem kalifornischen Arzt Dean Ornish. Und es klingt, sieht man vom drastischen Fett-Verbot ab, eigentlich wie ein Gesundheits-Programm für die ganze Familie. Doch gedacht ist es für Menschen, die aufgrund besonderer Risikofaktoren gefährdet sind, eine Krankheit der Herzkranzgefäße oder einen Herzinfarkt zu erleiden und für diejenigen, die eine solche Erkrankung schon haben oder hatten.
Der Anfang war schwer. Doch jetzt hat sie die Regeln im Kopf, und das Zubereiten der Mahlzeiten geht ihr locker von der Hand. Auch der Ehemann hat seine Ernährung mit umgestellt. Beide sind also Vegetarier geworden, nehmen nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtkalorien in Form von Fett zu sich, verzichten auf Vollmilchprodukte, Käse und Kaffee.

Dafür steht viel rohes und gedünstetes Gemüse auf dem Speisezettel, ein Glas Wein am Tag ist erlaubt, und die Kuchen werden inzwischen nach phantasiereichen Rezepten selbstgebacken. Doch die Lebensumstellung umfaßt weit mehr als den Speisezettel: Es herrscht absolutes Rauchverbot, ein regelmäßiges Bewegungsprogramm und Entspannung durch Meditation oder Yoga sind Pflicht.

Feind Nummer eins des Ornish-Programms ist die Arteriosklerose. Schon 1990 haben Ornish und seine Arbeitsgruppe aus San Francisco in einer im Fachblatt "Lancet" (Band 336, Seite 129) veröffentlichten Studie, dem "San Francisco Lifestyle Heart Trial", der wissenschaftlichen Fachwelt zeigen können, daß die revolutionäre Umstellung des täglichen Lebens bei einem großen Teil der (allerdings nur kleinen) Patientengruppe Wirkung zeigte: Die Cholesterinwerte sanken, die gefährlichen Verengungen ihrer Koronararterien bildeten sich meßbar zurück, die Durchblutung und Versorgung des Herzmuskels verbesserte sich deutlich. Und das, obwohl die Studienteilnehmer im Gegensatz zur Kontrollgruppe keine blutfettsenkenden Medikamente (Lipidsenker) einnahmen.

Es folgten mehrere Veröffentlichungen, in denen diese Ergebnisse durch Röntgen-Darstellungen der Herzkranzgefäße hieb- und stichfest gemacht und auch langanhaltende Erfolge dokumentiert wurden. Auch die amerikanischen Krankenversicherungen ließen sich schließlich überzeugen. Die zu Beginn erwähnte Berlinerin hat mehrere Herzinfarkte und mit 56 Jahren eine Bypass-Operation durchgemacht. Sie leidet an einer familiären Form der Hypercholesterinämie, einer erblich bedingten Fettstoffwechselstörung, bei der krankhaft erhöhte Blutfette auf die Dauer zu Ablagerungen in den Gefäßen führen. Nach neueren Erkenntnissen kann ein Wechselspiel zwischen innerer Gefäßschicht und Bestandteilen des Bluts dann zu dem gefürchteten Blutpfropf und damit zum Infarkt führen. Weil sie das Gefühl hatte, das fettsenkende Medikament nicht zu vertragen, das ihr langfristig verordnet worden war, machte sie sich auf die Suche nach Alternativen und erfuhr vor eineinhalb Jahren vom Ornish-Programm. Die Wirkungen sind auch in ihrem Fall objektivierbar: niedrigere Cholesterinwerte, deutliche Gewichtsabnahme, weniger Medikamente.

"Ich finde die Erfolge, die mit Lifestyle-Änderungen erreichbar sind, beeindruckend" sagt auch der Kardiologe Rainer Dietz im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Der Leiter der Franz-Volhard Klinik der Charité, Campus Buch, denkt dabei allerdings nicht zuletzt an Studien seines ehemaligen Heidelberger Kollegen Gerhard Schuler. Wie Ornish führte auch die Arbeitsgruppe des jetzt am Herzzentrum Leipzig tätigen Kardiologen Schuler den Kampf gegen den Infarkt an mehreren Fronten: Aufgeben des Rauchens, Gewichtsreduktion, Bewegung. Der Haken bei der Sache: "Die Motivation dazu kann schnell abbröckeln, und dann fragen die Patienten: Geht's nicht auch einfacher, Herr Doktor?" Für die 4S-Studie, die die Wirkung des blutfettsenkenden Medikaments Simvastatin testete, konnten immerhin 4444 Patientengewonnen und nach dem Zufallsprinzip mit dem Lipidsenker oder mit einem Scheinmedikament behandelt werden.Die wesentlich kleineren Studien von Schuler und Ornish hält Dietz trotzdem für wichtig: "Sie sind der ehrenhafte Versuch, etwas mit nicht pharmakologischen Maßnahmen nach den Kriterien der wissenschaftlich gesicherten Medizin zu überprüfen." Daß es nicht einfach ist, die Patienten bei der Stange zu halten, wissen auch die Verfechter des Programms: "Da das Ornish-Programm eine hohe Bereitschaft zur Änderung der eigenen Verhaltensgewohnheiten erfordert, sind nicht alle Menschen bereit und in der Lage, das Programm anzuwenden", warnt deshalb der Deutsche Wellness Verband in Düsseldorf. Schulungen und ambulante Herzgruppen, die sich einmal wöchentlich treffen, dienen dort der Festigung des herzgesunden Lebensstils nach der Ornish-Methode.

In einer 1996 in der "Münchner Medizinischen Wochenschrift" (Nr. 36, Seite 598) erschienenen Studie zeigte sich, daß auch in Deutschland die umfassende Lebensstiländerung nach Ornish bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit möglich und wirkungsvoll ist. Der an der Untersuchung beteiligte Psychologe Lutz Hertel, inzwischen Vorsitzender des Wellness-Verbandes, zweifelt seitdem an der Wirksamkeit der üblichen Nachbetreuung, bei der die Patienten nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Rehaklinik ("Anschlußheilbehandlung") vom Hausarzt oder einem Kardiologen weiterbehandelt werden. Die Ornish-Gruppe der Studie wurde statt dessen zwei Wochen stationär geschult und anschließend ein ganzes Jahr lang "engmaschig" betreut. "Die Befunde deuten darauf hin, daß Patienten, die aus dem geschützten Raum der Anschlußheilbehandlung in ihr Alltagsleben zurückkehren, einer besonderen Hilfe bedürfen, um eine ihrer chronischen Krankheit angemessene Lebensweise zu entwickeln, fortzuführen und im Alltag zu verfestigen." Der behandelnde Arzt allein kann das auch mit viel Charisma kaum schaffen.

Seit Januar 1998 gibt es auch in Berlin eine Selbsthilfegruppe, die sich bisher allerdings nur einmal im Monat trifft und auf die Umstellung der Ernährung konzentriert.

Kontakt: Ornish-Herzgruppe Berlin, Telefon und Fax 030-8515438.
Deutscher Wellness Verband e.V., Stichwort Ornish-Programm, Wetterstrasse 7, 40233 Düsseldorf, Telefon 0211-6796911, Fax 0211-6796912.


Bluttest verrät, ob sich das Herz selbst heilt

Von Rolf H. Latusseck / Welt am Sonntag, 8.8.1999

Bypass-Operationen am Herzen gehören inzwischen zum Alltag. Was der Chirurg in stundenlanger Kleinarbeit vollbringt, geschieht bei einigen Menschen jedoch schon von Natur aus. Verengt sich eines der Herzkranzgefäße, dann wachsen um die blockierte Stelle herum neue Gefäße, die das Blut umleiten, so dass die von der Versorgung abgeschnittenen Muskelbereiche weiterhin. versorgt werden.

Wenn die Methode sich auch in zukünftigen Tests als erfolgreich erweist, könnte die Gefäßneubildung mittels Gentherapie dort eingesetzt werden, wo eine Operation bislang nicht möglich ist, weil zu große Bereiche des Herzens von einer mangelnden Blutversorgung betroffen sind.
Aber nur bei rund der Hälfte aller Menschen bildet sich so ein voll funktionierender, natürlicher, Bypass tatsächlich aus; bei der anderen Hälft bleibt er unvollständig. Ob sich neue Blutgefäße bilden oder nicht, liegt an der Menge, des "vaskularen endothelialen Wachstums-Faktors" (VEGF).

Offenbar ist die Fähigkeit eines Organismus, dieses Wachstumshormon in ausreichender Menge zu bilden, erbIich festgelegt und bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt.Israelische Forscher vom Technion-Israel Institut für Technologie in Haifa haben nun einen Test entwickelt, mit dem bestimmt werden kann, wie weit ein einzelner Patient in der Lage ist, ausreichende Mengen des Wachstumshormons VEGF zu bilden. "Das gibt uns wichtige Anhaltspunkte, wie wir solche Erkrankungen der Herzkranzgefäße zu behandeln.haben.", sagt Andrew Levy, der Teamleiter der Arbeitsgruppe. Bei Herzpatienten, die nur wenige Blutgefäße ausbilden, können WIT mit Medikamenten nachhelfen oder mit einer Operation. Doch für Krebs- und Diabetespatienten ist der Test ebenso wichtig." Auch bei diesen Krankheiten spielen neue Blutgefäße eine wichtige Rolle, allerdings ist eine Neubildung dann nicht erwünscht. Krebsgeschwüre müssen für ihr Wachstum mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dafür sind neu gebildete Blutgefäße zuständig, und auch bei der Diabetes-Retinopathie wachsen Blutgefäße in die Netzhaut und beeinträchtigen das Sehvermögen. In diesen beiden Fällen muss das Ziel einer Behandlung also eine Verminderung des VEGF-Gehalts im Blut sein. Wie Andrew Levy in der August-Ausgabe von "Circulation", dem wissenschaftlichen Mitteilungsblatt der Amerikanischen Herzgesellschaft, berichtet, arbeitet sein Team derzeit daran, den Test so weit zu vereinfachen, dass er in der täglichen Praxis eingesetzt werden kann. Erste Versuche, einen Mangel an VEGF mit Hilfe von Gentherapie zu beheben, sind in New York durchgeführt worden. Dazu haben Todd Rosengart und seine Arbeitsgruppe das Gen für den Wachstumsfaktor in ein Virus verpackt und direkt in den Herzmuskel injiziert. Wie Rosengart in "Circulation" betont, war die Gruppe der behandelten Patienten zu klein, um allgemeingültige Aussagen machen zu können, dennoch sei in einigen Fällen eine Neubildung von Blutgefäßen zu beobachten, und die meisten Betroffenen berichteten, dass es ihnen besser gehe. So hätten die für verengte Herzkranzgefäße typischen Brustschmerzen nachgelassen.




Die Arteriosklerose - ein Problem, das alle angeht

Quelle: Die Welt
Arteriosklerotische Gefäßwandkrankheiten sind mit ihren klinischen Konsequenzen - Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere Gefäßerkrankung - die häufigste Todesursache in den Industrienationen. Auch die Kosten des Gesundheitssystems werden entscheidend durch Aufwendungen für die Folgen dieser Krankheit bestimmt.

Die Häufigkeit

Fast alle Menschen unseres Kulturkreises zeigen bereits in jungen Lebensjahren Gefäßveränderungen der ersten Phase mit Fett- und Kalkeinlagerungen sowie örtlichen Wandverdickungen. Die Arteriosklerose wird zur Krankheit, sobald höhergradige Gefäßverengungen oder Verschlüsse auftreten. Dies ist bei einem Drittel der Menschen, meist nach dem 40. Lebensjahr, der Fall.

Die gesundheitspolitische Bedeutung

Die klinischen Folgen atherosklerotischer Gefäßwandprozesse wie Herzinfarkt, Schlaganfall und "Raucherbein" sind seit Jahrzehnten häufigste Todesursache und die Hauptursache für frühzeitige Invalidität in Deutschland und den übrigen Ländern der westlichen Welt. Da die Kosten des Gesundheitssystems entscheidend durch Aufwendungen für die Folgen dieser Krankheit bestimmt werden, hat sie auch große gesundheitspolitische Bedeutung.

An Krankheiten des Herz-/Kreislaufsystems, unter denen die Spätfolgen der Arteriosklerose einen wichtigen Platz einnehmen, verstarben in Deutschland im Jahre 1993 183.712 Männer und 257.184 Frauen, das sind 44,2 % aller verstor- benen Männer und 53,4 % der Frauen. Darunter sind 89.764 Männer und 94.723 Frauen, die an einer durch Arteriosklerose bedingten (ischämischen) Herzkrankheit, meist einem Herzinfarkt, verstarben. Während bei Frauen vor allem im höheren Alter die Krankheiten des Kreislaufsystems als Todesursache in den Vordergrund treten, sind sie bei Männern bereits in mittleren Lebensjahren (45-65 Jahre) mit 34.789 Fällen (= 34 %) die wichtigste Todesursache. Davon sind 20.152 durch eine ischämische Herzkrankheit bedingte Todesfälle. Nach den Ergebnissen der von der WHO in Deutschland geführten Herzinfarktregister verlaufen bei Männern etwa 51 % und bei Frauen etwa 59 % der Infarkte tödlich, so daß die Zahl der Herzinfarkte etwa doppelt so hoch wie die Zahl der an einer ischämischen Herzerkrankung verstorbenen Personen anzusetzen ist (ca. 340.000). Die Krankheiten des Kreislaufsystems stehen nicht nur in der Rangfolge der wichtigsten Todesursachen an erster Stelle, sondern sind mit 37 % auch die wichtigste Ursache für verlorene Lebensjahre.

Darüber hinaus hatten die Krankheiten des Kreislaufsystems im Jahre 1993 bei der vorzeitigen Rentengewährung wegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit einen Anteil von 25 % bei Männern und 15 % bei Frauen und standen damit hinter den Erkrankungen des Bewegungsapparates an zweiter Stelle. Sie verursachten 1990 mit über 15 Milliarden DM etwa 11 % aller direkten Kosten im Gesundheitssystem (Aufwendungen für Behandlung, Rehabilitation, Lohnfortzahlung und Renten wegen Erwerbs- und Berufsunfähigkeit). Sie stehen damit hinter den Erkrankungen der Verdauungsorgane (bei denen die Zahnbehandlungen den größten Teil aus- machen) an zweiter Stelle der wichtigsten Krankheitsgruppen. Auch als Ursache für verlorene Erwerbstätigkeitsjahre (durch vorzeitigen Tod und durch Krankheit) und damit bei den sogenannten indirekten Kosten, die durch den Ausfall der Arbeitskraft entstehen, nehmen die Kreislauferkrankungen mit fast 18 Milliarden DM (13 % der durch alle Krankheiten verursachten indirekten Kosten) einen führenden Rang ein. Die ischämischen Gefäßerkrankungen sind sowohl an den direkten als auch an den indirekten Kosten der Herz-/Kreislauferkrankungen insgesamt jeweils etwa zur Hälfte beteiligt.

Die prognostizierte demographische Entwicklung

Wesentliche demographische Veränderungen werden für die nächsten Jahre und Jahrzehnte prognostiziert. Allein der Anteil der Personen im Alter über 60 Jahre wird in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland von 1986 bis zum Jahr 2000 von 21 % auf fast 25 % ansteigen. Derzeit entfallen auf diese Altersgruppe (21 %):
Insgesamt entfallen 41 % von den Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Altersgruppe der über 60jährigen. Ein großer Teil dieser Ausgaben wird speziell in dieser Altersgruppe durch Komplikationen der Arteriosklerose verursacht. Mit steigendem Anteil der älteren Personen wird deshalb die Bedeutung der Erkrankung innerhalb des Gesundheitssystems weiter zunehmen.
Die Prävention bereits in jüngeren Jahren und die wohlüberlegte Behandlung bei älteren Patienten kann ihr Befinden und ihre Lebensqualität verbessern.