Was Sie über Ihr Herz wissen sollten
Was ist Cholesterin? Wie gefährlich ist Cholesterin?
Was ist Cholesterin?
Fette
werden im Blut an Eiweiß gebunden transportiert. Diese
Fett-Eiweißverbindungen heißen Lipoproteine. Ihre Aufgabe ist es, den
Organismus mit Aufbaustoffen zu versorgen. Zu diesen Stoffen gehört
auch das Cholesterin, das für den Aufbau menschlicher Zellmembranen und
für den Hormonstoffwechsel benötigt wird. Dabei kommt das Cholesterin
in verschiedenen Formen von Lipoproteinen vor. Unterschieden wird
zwischen folgenden Lipoproteinen: den sogenannten HDL (high density
lipoproteins), Fetteiweißpartikeln von hoher Dichte, die relativ
fettarm sind. Diese HDL-Partikel haben eine gefäßschützende Wirkung.
Demgegenüber stehen die weniger dicht gepackten, stark
cholesterinhaltigen LDL (low density lipoproteins) und die noch
lockerer strukturierten VLDL (very low density lipoproteins).
Der
größte Teil des Cholesterins wird in den LDL transportiert. Diese
LDLPartikel werden, wenn sie - z. B. durch zu fettreiche Ernährung oder
bei Stoffwechselstörungen - im bermaß vorhanden sind, in den
Gefäßwänden abgelagert. Damit beginnt der Prozeß der Arterlosklerose
(Arterienverkalkung), der zur koronaren Herzkrankheit (Verengung der
Herzkranzgefäße) und zum Herzinfarkt führt.
Cholesterinspiegel und Infarktgefährdung
Eine
überwältigende Anzahl von genetischen, experimentellen, pathologischen
und epidemiologischen Untersuchungen (epidemiologische Untersuchungen
erforschen die Entstehung und Verbreitung von Krankheiten) hat
übereinstimmend ergeben, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem
Serum-Cholesterinspiegel und der Zusammensetzung der Nahrung auf der
einen Seite und der Häufigkeit der koronaren Herzerkrankung auf der
anderen Seite besteht. Gleichzeitig ist man sich jedoch darüber einig,
daß ein zu hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) nicht die
einzige Ursache der koronaren Herzkrankheit ist, sondern daß ihr ein
ganzes Ursachenbündel zugrunde liegt. Andere Risikofaktoren, die zur
köronaren Herzerkrankung und damit zur Infarktgefährdung beitragen,
sind: Rauchen, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit, Übergewicht,
Bewegungsmangel und falsch verarbeiteter Streß zusammen mit anderen
Faktoren wie Alter, Geschlecht, familiäre Belastung.
Bei Gesunden ohne zusätzliche Risikofaktoren sind Gesamtcholesterinwerte bis zu 240 mg/dl akzeptabel.
Bei
gesunden Menschen mit zusätzlichen Risikofaktoren sollten
Cholesterinwerte unter 200 mg/dl erreicht werden. Verbesserung der
Cholesterinwerte vorrangig durch fettarme Ernährung, Einstellung des
Zigaretten- und Alkoholkonsums, körperliches Training und erst dann
durch Einnahme von Medikamenten. Herzinfarkte und Bypass-Operationen
lassen sich durch diese drastische Absenkung des Cholesterinwertes
vermeiden. Patienten mit Herzinfarkt, Bypass etc. sollten
LDL-Cholesterine unter 100 mg/dl haben.
Patienten mit koronarer
Herzerkrankung, die beispielsweise bereits einen Herzinfarkt, eine
Bypass-Operation oder eine Gefäßdilatation hinter sich haben, oder aber
unter Angina pectoris-Beschwerden leiden, sollten Cholesterinwerte
unter 180 mg/dl und LDL- Cholesterinwerte unter 100 mg/dl anstreben.
Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, daß durch eine drastische
Senkung der LDL-Cholesterinwerte unter 100 mg/dl nicht nur das
Fortschreiten der Gefäßerkrankung aufgehalten wird, sondern daß sogar
eine allmähliche Rückbildung der Koronarsklerose erreicht werden kann.
Nicht bei allen Patienten wird es möglich sein, diese Werte zu
erreichen. Wenn nach einer strikten Diätphase durch zusätzliche
medikamentöse Therapie eine Absenkung der LDL-Cholesterinwerte um 35%
erreicht wird, kann ebenfalls mit einem günstigen Einfluß auf die
Entwicklung der Koronarsklerose gerechnet werden. Noch bevor sich die
Koronarsklerose zurückbildet, kommt es mit Absenkung der
Cholesterinwerte zu einer Verbesserung der Funktion der
Herzkranzarterien: Bei niedrigen Cholesterinwerten sind die
Herzkranzgefäße besser in der Lage, sich zu erweitern, wodurch
Durchblutungsstörungen vermindert werden. Ebenfalls ist inzwischen
nachgewiesen, daß sich häufig Herzinfarkte und Bypass-Operationen durch
eine solche Absenkung der LDL- Cholesterinwerte vermeiden lassen.
Das
"böse" Cholesterin sollte mölichst niedrig sein. Das "gute" Cholesterin
sollte möglichst hoch sein. Das optimale Verhältnis LDL/HDL sollte
größer als 2,5 sein.
Verhältnis LDL-Chol/HDL-Chol von größer 2,5 anstreben
Noch
wichtiger als das Gesamtcholesterin oder der isolierte
LDL-Cholesterinwert ist - wie oben schon angedeutet - das Verhältnis
von LDL-Cholesterin zu HDL-Cholesterin. Das LDL-Cholesterin begünstigt
das Fortschreiten der Koronarsklerose: Es sollte dementsprechend
möglichst niedrig sein. Das HDL-Cholesterin hingegen stellt einen
Schutzfaktor für die Gefäße dar und begünstigt die Rückbildung von
Gefäßveränderungen: dementsprechend sollte es möglichst hoch sein.
Neuere Untersuchungen und Analysen haben gezeigt, daß es bei Patienten
mit koronarer Herzerkrankung zur Rückbildung von Gefäßveränderungen
kam, wenn ein LDL-Chol/ HDL-Chol-Verhältnis von etwa 2,5 erreicht
wurde, dies entspricht z.B. einem LDL-Cholesterin von 100 mg/dl und
einem HDL-Cholesterin von 40 mg/dl. Diese Werte sind bei Vegetariern
die Regel. Häufig können diese Werte bei Patienten jedoch nur durch
konsequente diätische Maßnahmen in Kombination mit medikamentöser
Lipidsenkung erreicht werden. Bei Patienten mit niedrigen
HDL-Cholesterin-Werten, z.B. HDL 30 mg/dl, sollte das LDL-Cholesterin
nach Möglichkeit deutlich unter 100 mg/dl gesenkt werden.
Selbstverständlich sollten alle anderen Risikofaktoren ebenfalls
optimal eingestellt werden. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß ein zu
niedriger Cholesterinspiegel schädliche Auswirkungen hat.
Kann ein zu niedriger Cholesterinwert schädlich sein?
Es
kommt immer wieder die Frage auf, ob ein zu niedriger
Cholesterinspiegel nicht auch schädlich sein kann, ob nicht das
Cholesterin für das Zell-Wachstum notwendig ist. Der Cholesterinspiegel
ist natürlich unter anderem auch Ausdruck der Produktionsleistung der
Leber: in Fällen, in denen die Leberfunktion nachläßt, sinkt dann auch
der Cholesterinspiegel ab - was in diesem Fall aber Ausdruck einer
schwerwiegenden Erkrankung ist. Ebenso ist das Cholesterin häufig bei
bestimmten Tumoren erniedrigt, was teilweise durch den
Cholesterinverbrauch, der mit dem Tumorwachstum einhergeht, zu erklären
ist. Kinder haben in ihrer Wachstumsphase LDL-Cholesterinspiegel um
50-60 mg/dI. Vegetarier - die sich einer überdurchschnittlichen
Gesundheit und Lebenserwartung erfreuen - haben LDL-Cholesterinwerte
unter 100 mg/dl - beides Hinweise, daß niedrige Cholesterinwerte mit
normalem Wachstum und überdurchschnittlicher Lebenserwartung verbunden
sind. Es gibt keine Hinweise dafür, daß niedrige Cholesterinwerte das
Wachstum von bösartigen Geschwülsten (Tumoren) begünstigen. Wie jeder
andere Laborwert auch, kann der Cholesterinspiegel nicht isoliert
betrachtet werden, sondern muß im Zusammenhang mit weiteren Befunden
interpretiert werden.
Was ist ein Herzinfarkt?
Quelle: Merkblatt der Universität Essen und Alfried Krupp Krankenhaus Essen, verteilt auf der Essener Herzwoche.
Fehlende
Sauerstoffversorgung einer Herzregion führt in dem betreffenden Bereich
zu einer Vernarbung des Herzens, was eine Einschränkung der Pumpkraft
des Herzens zur Folge hat.
Normalerweise wird der Herzmuskel
über die Herzkranzgefäße (Koronararterien) mit Sauerstoff und
Nährstoffen versorgt. Im Laufe des Lebens können sich die Gefäße durch
Verfettungen und Verkalkungen einengen. Durch Bildung eines
Blutgerinnsels an der so geschädigten Gefäßwand kann eine
Herzkranzarterie vollständig verschlossen werden. Dies hat zur Folge,
daß der betroffene Bereich des Herzens zuwenig Sauerstoff und
Nährstoffe erhält und zugrunde geht. In Abhängigkeit vom Ausmaß der
Durchblutungsstörung wird der so geschädigte Herzmuskel in eine
kleinere oder größere Narbe umgewandelt. Die Größe dieser Narbe
bestimmt die Einschränkung der Pumpkraft des Herzens. Beim Absterben
des Herzmuskels kommt es oft zum Auftreten von lebensgefährlichen
Herzrhythmusstörungen. Das Herz schlägt dann zu langsam oder kann wegen
eines zu schnellen Herzschlages nicht mehr ausreichend Blut in den
Kreislauf pumpen.
Welche Ursachen hat ein Herzinfarkt?
SYMPTOME
- Brustschmerzen, die in Schulter, Arm, Hals und Oberbauch ausstrahlen.
- Druck- oder Engegefühl.
- Angst, Vernichtungsgefühl.
- Unregelmäßige Herzaktion
- Übelkeit, kalter Schweiß.
Für den Betroffenen
kommt der Infarkt zwar urplötzlich, in der Regel wird er jedoch schon
über Jahre hinweg "angelegt": Die Durchlässigkeit der Herzkranzgefäße
nimmt ab, wenn sich an ihren Wänden eiweißartige Stoffe und Blutfette
(Cholesterin, Triglyzeride) ablagern; dadurch erhält der Herzmuskel
ständig zu wenig Sauerstoff. Steigt nun bei körperlichen oder
seelischen Anstrengungen der Sauerstoffbedarf zusätzlich an, so ist
dies häufig Auslöser für einen Infarkt.
Aber auch ein akuter Verschluß durch einen Blutpfropf (Thrombus) führt zu einem Herzinfarkt.
Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?
Die ersten Maßnahmen bei
einem Infarktpatienten dienen der Schmerzbekämpfung. So schnell wie
möglich muß er in eine Klinik, wo auf der Intensivstation
lebensrettende Maßnahmen durchgeführt und er optimal versorgt werden
kann.
Wann sollte man zum Arzt gehen und was wird er tun?
So strahlen die Schmerzen bei einem Herzinfarkt.
Was
wird der Arzt tun?.Wenn man Schmerzen in der Herzgegend verspürt dann
ist das immer ein Grund, den Arzt aufzusuchen. Man muß sofort den
(Not-)Arzt rufen, wenn man eines der geschilderten Symptome spürt.
WICHTIG
Bei
Herzinfarkten ist schnelles Handeln notwendig. Die Überlebensquote
könnte viel höher sein, wenn die Patienten den Ernst ihrer Lage gleich
richtig einschätzen würden. Deshalb: Sofort den Notarzt rufen, wenn die
beschriebenen Symptome auftreten!
Der Arzt wird zunächst Medikamente verabreichen, die den Schmerz lindern. Gegen die auftretende Angst gibt er Beruhigungsmittel.
Da
der Arzt oft nicht sofort weiß, was vorliegt, wird häufig auch ein
Nitropräparat gegeben. Uber eine Nasensonde wird der Patient mit
Sauerstoff versorgt.
Auf der Intensivstation wird der Patient
sofort an einen Monitor angeschlossen, mit dem Herzfrequenz und
Herzrhythmus überwacht werden. Auftretende Herzrhythmusstörungen
bekämpft man mit Medikamenten.
Das Blut wird untersucht, um die
dort vorhandenen Enzyme zu bestimmen. Auch Herzmassage und künstliche
Beatmung können notwendig werden. Nach der akuten Phase wird der
stauende Arterienpfropf mit Medikamenten oder operativ aufgelöst.
Wie ist der Krankheitsverlauf eines Infarktes?
Stummer Infarkt
Etwa
10 Prozent der Infarkte verlaufen "stumm", es treten also keine
Symptome auf. Der Betroffene merkt nicht einmal, daß er einen Infarkt
hat. Das wird erst bei späteren Untersuchungen festgestellt.
Der
Infarkt stellt sich ganz plötzlich mit einem heftigen Schmerz in der
Brustbeingegend ein, der in Schultern, Arme, Hals und Oberbauch
ausstrahlt. Der Patient leidet unter starken Angstzuständen,
Atembeschwerden und den Anzeichen einer Herzschwäche (Blutdruckabfall,
unregelmäßige Herzfunktion). Kalter Schweiß tritt ihm auf die Stirn.
Im
Frühstadium des Infarkts kommt es häufig zu lebensbedrohlichen
Komplikationen, wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen,
Herzstillstand, Schock und Herzwandriß.
Was ist Arteriosklerose?
Arterien
sind die Gefäße, durch die das Blut vom Herzen in die verschiedenen
Körperregionen gepumpt wird und sie mit Sauerstoff versorgt. Ist eine
Arterie gesund, kann das Blut ungehindert hindurchfließen.
Mit
der Zeit können an der Gefäßinnenwand durch verschiedene Einflüsse wie
z.B. hohen Blutdruck und Blutfette arteriosklerotische Ablagerungen
entstehen, sogenannte Plaques. Sie schränken den Blutfluß ein.
Eine
so entstandene Plaque kann irgendwann aufbrechen. Der Organismus
versucht daraufhin, durch Ablagerung von Blutplättchen und Bildung von
Blutgerinnseln die "Wunde" abzudichten. Das Hindernis in der Blutbahn
wächst weiter und behindert zunehmend den Blutfluß und damit die
Sauerstoffversorgung der von der Arterie versorgten Organe.
Schließlich
kann das Gefäß ganz verschließen. Geschieht das bei einem der Gefäße,
die das Herz versorgen (Herzkranzgefäße), kommt es zum Herzinfarkt. Ist
eine Arterie im Gehirn betroffen, besteht die Gefahr eines
Gehirnschlags.
Wie funktioniert eigentlich ein Bypass?
Bypässe aus Wadenvene
und linker innerer Brustvene überbrücken Gefäßverengungen infolge
Plaqueablagerungen in den Koronararterlen. Die Wadenvene setzt an der
Aorta an, die Brustvene an der linken Schlüsselbeinarterie. Beide
Bypässe sind jeweils hinter der verengten Stelle an die Koronararterie
angeschlossen.
(Übernommen aus S.A. Price und L. M. Wilson,
Pathophysiology Clinical Concepts of Disease Progresses. New York:
McGraw-Hill, 1978)
Ein koronarer Bypass hält die Blutzirkulation im
Herzmuskel aufrecht, indem er Gefäßverengungen oder gar -blockaden
überbrückt. Heutzutage verwenden die Kardiologen vor allem zwei
Bypass-Methoden:
Im ersten Fall dient ein Stück der Wadenvene,
die dicht unter der Hautoberfläche auf den Innenseiten der Beine
verläuft, als Umleitung. Die Vene wird an der Aorta festgenäht, an dem
verengten Abschnitt der Koronararterie vorbeigeführt und dahinter an
die Arterie angeschlossen. Die Wadenvene wird deshalb gerne als Bypass
verwendet, weil sie nicht zu den wichtigsten Gefäßen des menschlichen
Körpers zählt, also nicht existenznotwendig für die Blutzirkulation in
den Beinen ist.
Im zweiten Fall benutzen die Kardiologen einen
Abschnitt aus der inneren Brustvene. Auch davon besitzt der menschliche
Körper zwei, sie verlaufen beiderseits des Brustbeins. Bei den meisten
Operationen wird nur das untere Ende der Brustvene verlegt, das obere
Ende, das an die Schlüsselbeinarterie anschließt, bleibt unangetastet.
In seltenen Fällen durchtrennen die Chirurgen aber auch die Brustvene
und verwenden sie in gleicher Weise wie die Wadenvene als Bypass.
Und welche Methode ist nun die bessere?
Im
Gegensatz zur Wadenvene scheint die Brustvene gegen Plaqueablagerungen
resistenter zu sein. Das bedeutet: Sie bleibt länger als Bypass
funktionsfähig, verschließt sich also nicht so schnell wie die
Wadenvene. Untersuchungen ergaben, daß etwa 95 Prozent derBypässe aus
Brustvenen auch noch zehn Jahre nach der Operation durchgängig sind.
Für Bypässe aus Wadenvenen trifft das nur in 60 bis 70 Prozent der
Fälle zu. Mehr noch, ein Drittel der noch funktionsfähigen Bypässe aus
Wadenvenen ist trotzdem schon durch arteriosklerotische Plaque verengt,
dagegen bleiben Bypässe aus Brustvenen gewöhnlich völlig frei.
Klinische
Forscher entdeckten noch weitere Aspekte: So haben Patienten mit einem
Brustvenen-Bypass ein geringeres Komplikationsrisiko (erneuter
Herzinfarkt, Tod), leiden weniger an Angina pectoris und müssen sich
seltener einer Wiederholungsoperation unterziehen als Patienten mit
einem Wadenvenen-Bypass.
Wie verläuft eine Bypass-Operation?
Gewöhnlich muß sich der
Patient wegen der Voruntersuchungen ein bis zwei Tage vor der Operation
im Krankenhaus einfinden. Häufig werden dann auch Atemübungen geübt,
die vor und nach der Operation sinnvoll sind. Am Tag vor der Operation
findet ein Aufklärungsgespräch mit dem zuständigen Anästhesisten, dem
Narkosearzt, statt. Er erstellt eine ausführliche Anamnese und erklärt
dem Patienten das bei der Operation angewendete Narkoseverfahren.
Am
Abend vor der Operation wird der Patient gewöhnlich vom Kinn bis zu den
Zehen rasiert, Brust und Beine werden (bei Entnahme einer Wadenvene)
mit einer antiseptischen Lösung gewaschen. Diese Vorbereitungen
verringern das Infektionsrisiko, sie sind daher sehr wichtig.
Ist
der Patient sehr nervös, erhält er ein Schlafmittel. Etwa eine Stunde
vor der Operation bekommt er dann meist noch ein leichtes
Beruhigungsmittel. Anschließend wird er in den Operationssaal gebracht.
Dort
bereitet der Anästhesist die Vollnarkose vor. Dazu legt er dem
Patienten an einem Armgelenk eine intravenöse Kanüle an, stülpt ihm
dann eine kleine schwarze Gurnmimaske über Nase und Mund und bittet
ihn, einige Male tief einzuatmen. Und ehe sich der Patient versieht,
ist er eingeschlafen - und bleibt es, bis die Operation beendet ist.
Es
wurde obenstehend bereits erläutert, auf welche beiden Arten Bypässe um
die blockierten Herzkranzgefäße gelegt werden. Je nach Anzahl der
notwendigen Bypässe und Art der verwendeten Vene dauert die Operation
zwischen vier und sechs Stunden, manchmal auch länger.
Nach Ende
der Operation wird der Patient auf die (kardiologische) Intensivstation
gebracht, wo er dann aufwacht. Ein Beatmungsschlauch versorgt ihn noch
zwölf bis vierundzwanzig Stunden mit frischem Sauerstoff. Der Schlauch
im Hals macht das Sprechen unmöglich; aber keine Sorge: Schwestern,
Pfleger und Ärzte wissen, wie man sich mit einem »stummen« Patienten
verständigt. Der Beatmungsschlauch verhindert natürlich auch die
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Daher wird der Patient über eine
Kanüle und eine Nasensonde künstlich ernährt.
Außerdem ist der
Patient noch an eine ganze Reihe weiterer Katheter und Schläuche
angeschlossen, wie etwa einen Drainagekatheter, der die Flüssigkeit aus
dem Brustraum ableitet. Alle Katheter und Schläuche werden gewöhnlich
am zweiten Tag nach der Operation entfernt.
Wenn Sie diese
Schilderung jetzt sehr unangenehm berührt und Ihnen Angst macht, dann
sollten Sie wissen: In der Zeit auf der Intensivstation erhalten Sie
schmerzstillende und beruhigende Medikamente, so daß Sie Ihre Umgebung
gar nicht so genau wahrnehmen, sondern eher Ihrer Genesung
entgegenschlafen. Und auch das sollten Sie wissen: Sie werden die
Tageszeiten nicht genau einschätzen können, weil die Intensivstation
natürlich rund um die Uhr beleuchtet ist.
Ein oder zwei Tage
nach der Operation wird der Patient von der Intensivstation auf die
normale herzchirurgische Station verlegt. Gewöhnlich spürt der Patient
jetzt Schmerzen im Brustbereich und auch in den Beinen (wenn eine
Wadenvene entnommen wurde). Allerdings sind diese Schmerzen in den
meisten Fällen auch ohne Medikamente erträglich. Wenn nicht, dann
erhält der Patient natürlich Schmerzmittel.
Während und nach der
Operation kann es zu Flüssigkeitsansammlungen in den Lungen kommen.
Werden diese nicht entfernt, besteht die Gefahr einer Lungenentzündung.
Längeres Liegen auf dem Rükken kann die Bildung von
Flüssigkeitsansammlungen begünstigen Daher sollten Bypass-Patienten
zumindest zeitweise besser auf der Seite liegen und ihre Position
stündlich ändern. Zudem müssen sie eine bestimmte Technik erlernen, um
die Flüssigkeit aus der Lunge auszuhusten. Manche Patienten machen sich
Sorgen, weil sie sich schon bald nach der Operation bewegen sollen.
Auch wenn die Brust beim Husten zu bersten scheint, besteht kein Grund
zur Besorgnis: Das Brustbein wird durch etwa zehn stabile Stahldrähte
zusammengehalten.
Und nicht zuletzt ist auch ein leichtes Fieber
in den ersten Tagen nach der Operation sehr häufig und ebenfalls kein
Grund zur Beunruhigung.
Wichtig: Heutzutage wollen viele
Patienten vor einer Operation genau wissen, was auf sie zukommt. Das
ist ihr gutes Recht. Fragen Sie daher Ihren Arzt, lassen Sie sich von
ihm Informationsmaterial empfehlen (etwa eine Informationsbroschüre für
Bypass-Patienten), und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar
geblieben ist.
Sport - und Bewegungstherapie als Inhalte der Primär - und Sekundärprävention - Historie und Fakten
Fr. Dr. Müller, Hr. Lohmann
, Quelle:
Essener Kardiologische Kardiovaskuldre Nachrichten; 1.- 1997Zunächst
nach dem zweiten Weltkrieg: Behandlung von Herzinfarkten durch
Ruhestellung und Schonung.
Die
erste Antwort der
klinischen Medizin auf die steigende Zahl der Herzinfarktfälle nach dem
zweiten Weltkrieg bestand zunächst in weitgehender Ruhigstellung und
Schonung des Patienten. Man ging gewissermaßen von der Vorstellung aus,
daß der Herzinfarkt so etwas sei wie ein gebrochenes Bein und daß
diesem "gebrochenem Herzen" mindestens die gleiche Zeit zugebilligt
werden müsse, um zu vemarben, die bei einem Beinbruch erforderlich ist.
Folglich wurde der Herzinfarktpatient für mindestens 6 Wochen zur
Bettruhe verpflichtet und auch sein "Leben danach" sollte sich vor
allem durch physische und psychische Schonung, im besten Falle durch
Rückzug aus dem Berufsleben, auszeichnen.
Diese Form der Behandlung
war Ausdruck einer stark technisierten Medizin, die den Menschen immer
mehr an einer Maschine maß. Im Gegensatz zu dieser bestehen im
biologischen Bereich jedoch eigene Reparations- und
Adaptionsmechanismen, die gefördert werden müssen. ROUX formulierte
bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts sein biologisches
Grundgesetz, wonach die Qualität der Struktur und Funktion eines Organs
neben seiner genetischen Determinierung entscheidend von seiner
funktionellen Belastung abhängt.
1965 Gründung der ersten Herzsportgruppe.
Mitte
der 50er Jahre wurden durch KNIPPING im Bereich der Kölner
Medizinischen Universitätsklinik erste Drehkurbelergometertrainings mit
Herzinfarktpatienten durchgeführt. HOLLMANN führte diese fort und trieb
die Forschung auf diesem und anderen Gebieten voran.
Die
neuerlangte Bedeutung der sportmedizinischen Forschung drückte sich
nicht zuletzt durch die Gründung des Instituts für Kreislaufforschung
und Sportmedizin aus (1958). Eine Folge der bald erworbenen neuen
Erkenntnisse war die Gründung der ersten Herzsportgruppe durch HARTMANN
(1965). Der Bedarf war groß. In zunehmendem Maße wollte der Patient
selbst aktiv an der Verbesserung seiner Gesundheit mitwirken. In der
körperlichen Aktivität drückt sich dieser Wunsch nach aktivem Handeln
augenfällig aus. In den vergangenen 31 Jahren ist die Anzahl der
Herzsportgruppen auf über 2000 angestiegen. Bei weiter steigender
Tendenz.
Wichtig ist das Zusammenspiel von Spannung und Endspannung
und von Belastung und Schonung. Ausdauertraining bewirkt, daß das Herz
ökonomischer arbeitet. Durch eine Verbesserung des
HDL-LDL-Cholesterinquotienten wird die Gefahr einer
arteriosklerotischen Herzkreislauferkrankung vermindert.
Damals wie
heute galt in der Medizin und im Sport das Zusammenspiel von Spannung
und Entspannung, bzw. von Belastung und Schonung. Je schwerer und
akuter die Erkrankung, um so mehr muß das Prinzip der Ruhigstellung im
Vordergrund stehen. Je länger der Krankheitsverlauf, um so mehr müssen
jedoch durch eine vemünftige Belastung auch die reparativen und
ausgleichenden Kräfte des Körpers gestärkt werden, die die
Krankheitsfolgen überwinden helfen. Hier bestehen Ansatzpunkte für die
Sport- und Bewegungstherapie in der Sekundärprävention.
Nachfolgend
wird der positive Einfluß von Sport- und Bewegungstherapie auf einige
ausgewählte Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes mellitus und
Hypercholesterinämie dargestellt. Bei der Sport- und Bewegungstherapie
mit Hypertonikern hat sich leichtes Training im Ausdauerbereich als
Mittel der Wahl etabliert. Durch diese Maßnahmen wird die
Kapillarisierung in der beanspruchten Muskulatur vergroßert, wodurch
eine Senkung des Widerstandes erreicht wird. Desweiteren unterstützt
ein Ausdauertraining die häufig notwendige Gewichtsreduktion bei
Patienten mit Bluthochdruck. Durch die bei körperlicher Betätigung
auftretende erhöhte Schweißproduktion kommt es zu einer, bei diesem
Befund positiven Vermehrung der Kochsalzausscheidung. Das
Herz-Kreislauf-System adaptiert und arbeitet ökonomischer, wodurch die
Reaktionslage von einer sympathikotonen zu einer vagoton bestimmten
wechselt. Die positive Wirkung von Ausdauertraining im Sinne einer
Verbesserung auf den HDL/LDL-Quotienten muß hier ebenfalls erwähnt
werden. Durch sie kann die Gefahr einer arteriosklerotischen
Herzkreislauferkrankung vermindert und eventuell schon bestehende
zusätzliche Risikofaktoren in ihrem negativen Einfluß entschärft
werden. Nicht zuletzt führt die, für den Sport notwendige
Selbstdisziplinierung zu einer verbesserten Compliance. Dies geschieht
durch gezielte Aufklärung des Patienten über die Zusammenhänge seiner
Krankheit.
Körperliche Belastung stellt somit ein hervorragendes Mittel zur Blutzuckersenkung dar.
Unter
den Bedingungen einer längeren körperlichen Belastung kommt es auch
beim gesunden Nichtdiabetiker zu einer mäßigen Senkung des
Blutzuckerspiegels im Bereich von 20-30 mg%. Bei Diabetikern ist eine
wesentlich ausgeprägtere Senkung des Blutzuckerspiegels zu beobachten.
Unter körperlicher Belastung entnimmt die Muskelzelle dem Blut vermehrt
Glucose. Körperliche Belastung stellt somit ein hervorragendes Mittel
zur Blutzuckersenkung dar. Auch langfristige Verbesserungen der
diabetischen StoffwechseIsituation lassen sich durch ein solches
Training erzielen. So wird z.B. die Glucosetoleranz erhöht.
Eine
ausdauerorientierte Bewegungstherapie führt zu einer Erhöhung des
HDL-Cholesterins und zur Senkung des LDL- Cholesterins und erfüllt
damit eine wesentliche Voraussetzung zur Besserung des
artereosklerotischen Krankheitsverlaufes.
Eine mögliche
Erklärung hierfür liegt in der verstärkten Bindung zwischen Insulin und
Rezeptoren, was gerade für den Typ-II-Diabetiker wichtig ist, bei dem
häufig eine Insulinresistenz vorliegt. Aufgrund der verbesserten
Verbrennung von Glucose und der damit einhergehenden verringerten
Verbrennung von Fetten unter körperlicher Belastung, vermindert sich
die Gefahr einer Ketoazidose. Diätische Maßnahmen mit dem Ziel der
Gewichtsreduktion werden durch Ausdauertraining wesentlich unterstützt.
Auch
bei der Hypercholesterinärnie tragen körperliche Aktivität und
diätische Programme zur Gewichtsreduktion bei. Ähnlich wie beim
bergewichtigen, sollte ein möglichst hoher Kalorienverbrauch durch
Sport erzielt werden. Anzustreben ist eine körperliche Aktivität "im
Werte" von täglich 300-400 Kilokalorien (ca. 1 Stunde Gehen für eine 75
kg schwere Person). Zahlreiche Untersuchungen ergaben, daß die
Beeinflussung der Lipo-Proteinfraktionen durch Mehraktivität auch für
Patienten mit koronarer Herzkrankheit zutrifft, d.h., unter
ausdauerorientierter Bewegungstherapie kommt es zu einer Erhöhung des
HDL-Cholesterins und zur Senkung des LDL- und VLDL-Cholesterins.
Zusätzlich zur reaktiven Mehrdurchblutung wird über den
belastungsinduziert erhöhten Umsatz der zirkulierenden Triglyzeride und
freien Fettsäuren ein erhöhter peripherer Cholsterinaustausch
garantiert. Mit diesen biochechemischen Anpassungseffekten an eine
ausdauerorientierte Bewegungstherapie sind somit wesentliche
Voraussetzungen zur Rückbildung bzw. Verlangsamung der
arteriosklerotischen Krankheitsverlaufs gegeben.
Sport und Bewegung in der richtigen Dosierung
Selbstverständlich
gilt es, Sport und Bewegung nicht unkritisch anzuwenden, sondern im
gleichen Sinne wie auch sonst ärztliche Behandlungsverfahren, nämlich
in einem individuell den Möglichkeiten des Patienten angepaßten und
überwachten Rahmen, also in Form einer individuell dosierten und
kontrollierten Belastung.
Durch gezielte körperliche Aktivität wird der Mensch zwar nicht älter, aber doch gesünder alt.
Es
steht außer Zweifel, daß Sport und Bewegung, in der richtigen Dosierung
und Ausführung, genauso zur Primärprävention eingesetzt werden können
und sollten. Durch gezielte körperliche Aktivität wird der Mensch so
zwar nicht älter, aber doch gesünder alt.
Literatur:
1)
Berg, A. , Rost, R. : Sportmedizin und Leistungsphysiologie. In Brusis,
0. A. und Weber-Falkensammer, H. (Hrsg.): Handbuch der
Herzgruppenbetreuung, Erlangen 1990
2) Hollmann, W. (Hrsg.): Medizin - Sport - Neuland, St. AugUstin 1994
3) Rost, R. (Hrsg.): Sport- und Bewegungstherapie bei inneren Krankheiten, Köln 1991
Ist Arteriosklerose eine Infektion?
Das Herz: Ratgeber aus Ihrer Apotheke für Herz- und Kreislauf
Spannend wie ein Krimi: die neuen Entdeckungen der Herz- und Kreislaufforschung.Unter Tatverdacht: Chlamydia pneunomiae.
Mit
großer Skepsis wurde diese revolutionäre Theorie anfänglich in
Wissenschaftlerkreisen diskutiert. Jetzt mehren sich jedoch die
Stimmen, die einräumen, daß an der kühnen These tatsächlich"einiges
dran sein könnte".
Einer der ersten, die sich für die neue
Hypothese stark machten, war Professor Dr. Wolfgang Stille aus
Frankfurt. Er ist kein Herz-Kreislaufspezialist, sondern hat sich als
Infektiologe mit der Arteriosklerose beschäftigt.
Heißen die beltäter Chlamydien
Stille
fiel auf, daß sich in den Gefäßveränderungen ungewöhnlich häufig
Bakterien oder zumindest Bakerienteile nachweisen lassen. In den
meisten Fällen handelt es sich dabei um einen bestimmten
Chlamydienstamm (Chlamydia pneumoniae), der vor allem als Erreger von
Lungenentzündungen gilt. Dieses Bakterium scheint, so die neue Theorie,
über die Blutbahn in die Gefäßwand einzudringen. Prompt bilden sich am
"Tatort" eine Reihe von Veränderungen, unter denen vor allem
entzündliche Reaktionen auffallen. Bedeuten etwa Chlamydien fürs Herz
das, was für den Magen das Bakterium Helicobacter pylori bewirkt?
Können Chlamydien die gefürchtete Arteriosklerose auslösen oder
beschleunigen, so wie Helicobacter Magengeschwüren den Weg bereitet?
Die These scheint gewagt, und endgültige Gewißheit werden gründliche
Studien und mit ihnen die Zeit bringen wie im Fall des erst kürzlich
entdeckten Helicobacter pylori. Chlamydien können, wie es scheint, im
Zusammenspiel mit bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck
und hohen Blutfetten einer Arteriosklerose Vorschub leisten eine These,
die inzwischen auch von gestandenen HerzKreislaufspezialisten zunehmend
akzeptiert wird.
Trittbrettfahrer oder Hauptschuldige?
Die
Hinweise, daß die Argumente Professor Stilles Hand und Fuß haben,
nehmen zu: Untersuchungen haben ergeben, daß Proteine aus Chlamydien
bei immerhin 40 bis 60 Prozent der Patienten mit Arteriosklerose und
Herzerkrankungen zu finden sind. Auch Patienten mit Lungenödem oder
schwerer Lungenentzündung weisen ungewöhnlich häufig Teile des
Bakteriums in der Gefäßwand der Aorta auf. Bei gesunden Menschen lassen
sich die Erreger hingegen nicht nachweisen. In das neue Konzept der
Arteriosklarose-Entstehung passen zudem Befunde aus dem Jahre 1988.
Damals fiel bereits auf, daß Menschen mit Herzinfarkt und koronarer
Herzerkrankung im Blut erhöhte Mengen an Antikörpern gegen den
Chlamydienstamm, der erst Mitte der 80er Jahre entdeckt wurde,
aufweisen. Offen bleibt die Frage: Sind Chlamydia pneumoniae
Trittbrettfahrer in ohnehin schon geschädigten Gefäßen, oder sind sie
für die Gefäßschädigung verantwortlich? Wäre eine Infektion der
Blutgefäße mit dem Keim die eigentliche Ursache der Arteriosklerose,
müßte sie fortan als Infektionskrankheit gelten. Damit allerdings
könnten sich auch neue ungeahnte Therapiechancen eröffnen, denn
bakterielle Infektionen sind in aller Regel gut mit Antibiotika zu
behandeln. Ob dies auch bei der Arteriosklerose gelingt, wird derzeit
in klinischen Studien geprüft.
Die alten Sündenböcke bleiben
Fest
steht schon jetzt: Die neue Theorie ändert nichts an den bisherigen
Empfehlungen und am Konzept der Risikofaktoren, deren Zusammenspiel die
Gefäßschädigung begünstigt. Selbst wenn sich die Infektionstheorie mit
endgültiger Sicherheit bestätigt, fördern und beschleunigen bekannte
Risikofaktoren, wie Rauchen, Bluthochdruck, zu hohe Cholesterinspiegel,
bergewicht und Bewegungsarmut die Verengung der Adern und bereiten
Herzinfarkt und Schlaganfall den Boden. Daran wird sich leider auch in
Zukunft wenig ändern.
Erstmals Gene ins Herz injiziert - Zur Bildung neuer Blutgefäße
New York (dpa) Cinetic 1998 Meldung vom 6.1.1998
In
einem bisher einzigartigen Experiment haben US-Forscher versucht, das
Wachstum neuer Blutgefäße im Herz durch Injektion von Genen zu
forcieren. Der Patient ist ein 60 Jahre alter Mann, dessen Herzarterien
durch Arteriosklerose so stark verstopft waren, daß eine
Bypass-Operation ihm nicht mehr helfen kann.
Ronald Crystal und
seine Kollegen von der Cornell Universität in New York benutzten ein
Gen (Vascular Endothilial Growth Factor - VEGF), das ein
blutgefäßbildendes Eiweiß produziert. ÇDurch Injektion dieses neuen
Gens fordern wir das Herz auf, Ausweichstraßen um die verstopften
Arterien herum zu bildené, erläuterte Crystal das Verfahren in einer
Pressemitteilung seiner Universität.
Zum Transport der VEGF-Gene
bedienten sich die Forscher abgeschwächter Schnupfenviren. Diese
ÇAdenovirené schleusten das genetische Material in die Zellen des
Herzmuskels. Die neuen Kranzgefäße hofft Crystal in etwa drei Monaten
sehen zu können.
In einem anderen Experiment hatte Jeffrey Isner
von der Tufts Universität in Boston kürzlich das Wachstum neuer
Arterien in Beinen stimuliert. Nach einem Bericht der Tageszeitung ÇUSA
Todayé vom Dienstag erklärte Isner jetzt, daß die Gentherapie bei etwa
zwei Drittel der 21 von ihm behandelten Patienten erfolgreich war. Die
neugebildeten Gefäße ermöglichten, daß der Blutfluß um die verstopften
Arterien in den Beinen umgeleitet werden konnte.
Ärzte regen verstopfte Herzgefäße zu neuem Wachstum an
Fulda (dpa) Cinetic 1998
Meldung vom 20.2.1998
Es
handelt sich um ein Eiweißmolekül, das in einen Fibrinkleber
eingebettet und direkt an die verstopfte Stelle kleiner Herzkranzgefäße
injiziert wird. Hoffnung für Herzpatienten: Mit einem Eiweiß regt ein
Ärzteteam aus Fulda (Hessen) verstopfte Herzgefäße zu neuem Wachstum
an. Das einzigartige Verfahren, das Bypass-Operationen einmal
überflüssig machen könnte, wurde am Klinikum Fulda bislang an 20
Patienten erfolgreich erprobt.
Es gab keinerlei Nebenwirkungen,
alle Patienten sind beschwerdefreié, sagte Thomas Stegmann von der
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie am Freitag der Deutschen
Presse-Agentur (dpa). Die Methode wird am kommenden Montag auch im
US-Fachjournal Circulationé vorgestellt.
Bei dem Wachstumsfaktor
FGF (Fibroblast Growth Factor) handelt es sich um ein Eiweißmolekül,
das in einen Fibrinkleber eingebettet und direkt an die verstopfte
Stelle kleiner Herzkranzgefäße injiziert werde, erläuterte Stegmann.
Dort regt es die Bildung neuer Blutgefäße an, die praktisch wie eine
Umleitung um die verstopfte Stelle herumwachsen und den Blutfluß wieder
herstellen. Die Durchblutung stieg dort um den Faktor 20 ané, berichtet
Stegmann.
Bislang werde das Verfahren jedoch erst zusätzlich zu
Bypass- Operationen und noch nicht als Alternative dazu angewandt. ÇWir
suchen noch nach Methoden, das Eiweiß über einen endoskopischen
Eingriff oder Katheter auch ohne eine offene Operation genau zu
plazieren.é Der Wachstumsfaktor wird in einem aufwendigen Verfahren mit
Hilfe von Bakterien (Escherichia coli) gentechnisch gewonnen.
Wie wirken die Cholesterinsynthesehemmer (Statine)?
Ärztezeitung 18.9.1997
Die
jahrelang gültige Vorstellung, daß der Grad der Stenosierung von
Koronararterien mit der Häufigkeit von Herzinfarkten korreliert, läßt
sich so heute nicht mehr aufrechterhalten.
Berlin (wma). Durch eine
cholesterinsenkende Therapie wird möglicherweise auch über eine
Verringerung der endothelialen Dysfunktion und Verminderung der
Makrophagenaktivierung die Häufigkeit ischämischer kardialer Ereignisse
bei den Patienten verringert.
Die jahrelang gültige Vorstellung,
daß der Grad der Stenosierung von Koronararterien mit der Häufigkeit
von Herzinfarkten korreliert, läßt sich so heute nicht mehr
aufrechterhalten. Das hat Professor Wilhelm Krone von der
Universitätsklinik Köln auf einem Klinik-Workshop in Berlin gesagt.
Post-mortem-Studien
hätten ergeben, daß etwa zwei Drittel aller Läsionen, die eine
instabile Angina pectoris oder einen Myokardinfarkt bedingten, einen
Stenosegrad von weniger als 50 Prozent aufwiesen, erläuterte Krone
während der Veranstaltung, die von dem Unternehmen Bayer Vital
ausgerichtet worden ist. Heute gehe man davon aus, daß die klinische
Prognose vor allem durch die Plaquestruktur bestimmt werde. In mehreren
Studien ist nachgewiesen worden, daß durch eine medikamentöse
Cholesterinsenkung die Häufigkeit klinischer Komplikationen um über 50
Prozent reduziert worden ist, obwohl an angiographisch darstellbaren
Stenosen nur geringgradige Veränderungen nachweisbar gewesen sind.
Instabile
oder vulnerable Plaques seien durch einen relativ großen lipidreichen
Kern mit dünner fibröser Kappe gekennzeichnet. Das Einreiß und damit
Thromboserisiko sei bei diesen Plaques hoch, erklärte Krone. Besonders
gefährdet seien die Patienten durch eine veränderte Endothelfunktion
mit paradox erhöhter Vasokonstriktion und durch die
Makrophagenaktivierung.
In letzter Zeit hätten sich vermehrt
klinische und experimentelle Hinweise ergeben, berichtete Krone, daß
Cholesterinsynthesehemmer - Statine - möglicherweise nicht nur das
Plasmacholesterin senkten, sondern auch direkt auf die Gefäßwände
wirkten. So wurde eine Reduktion des Plaquekerns, eine Verbesserung der
endothelialen Dysfunktion, eine verminderte Makrophagenaktivierung auf
die glatten Gefäßmuskelzellen nachgewiesen.
Dies könnte in Zukunft Möglichkeiten für differenzierte Therapieansätze bei Patienten mit Atherosklerose eröffnen, sagte Krone.
Ein Schnelltest verrät den "stillen" Herzinfarkt
Vital-Tips zusammengestellt von Prof. H. Bankhofer
Nach
wie vor ist der Herzinfarkt in Deutschland der Killer Nummer eins. Vor
Krebs und Schlaganfall. Die meisten erleiden einen sogenannten "großen"
Infarkt. Mit klaren Symptomen, die eine Diagnose leicht machen: heftige
Schmerzen in der Brust, deutliche Veränderung im EKG. Diesen Patienten
kann sofort geholfen werden. Das Problem waren bisher die sogenannten
"stillen" Herzinfarkte,die man gar nicht oder erst viel zu spät
erkennt. Nun hat eine beachtenswerte medizin-technologische Neuheit
eine Revolution in der Herzinfarkt-Diagnose ausgelöst.
Bei dieser
Neuheit handelt sich um einen einfachen Teststreifen, mit dem man
mittels einiger Blutstropfen binnen weniger Minuten feststellen kann,ob
jemand einen Herzinfarkt erlitten hat oder nicht. Der sogenannte
Troponin-T-Teststreifen ist bereits bei vielen Ärzten im Einsatz.
Es
geschieht tagtäglich rund um uns: in der Wohnung, auf der Straße, im
Auto. Jemand klagt über belkeit, über einen Druck im Brustkorb, über
Schmerzen im linken Arm, wie das auch bei Wirbelsäulenproblemen der
Fall sein kann. Dann ist alles wieder vorbei. In Wahrheit hatte der
Beroffene einen "stillen" Herzinfarkt. Er geht nicht zum Arzt. Erst
wenn die Beschwerden verstärkt wieder auftauchen. In der Zwischenzeit
kann es im Organismus zu schweren Schäden kommen. Es kann aber auch ein
plötzlicher Tod die Folge sein.
Einer aktuellen Statistik
zufolge erleiden in Deutschland jährlich 20.000 Menschen einen
Herzinfarkt und erfahren es erst per Zufall danach. Die Dunkelziffer
derer, die nicht ärztlich registriert werden oder die es nie erfahren,
ist noch viel höher. Ein nicht erkannter Herzinfarkt aber bedeutet:
keine Behandlung, eine falsche Behandlung, eine mangelhafte Behandlung
oder im schlimmsten Fall den Tod. Der neue Teststreifen wurde an der
Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg von Priv. Doz. Dr. Hugo A.
Katus und einem Team der Boehringer Mannheim Forschung entwickelt. Bei
einem Herzinfarkt, und ist er noch so gering, tritt das Eiweißmolekül
Troponin T aus der Herzmuskelzelle ins Blut aus. Bei einem gesunden
Menschen läßt sich dieses Troponin T nicht bestimmen. Darum der Name:
Troponin-T-Test. Wenn also bei jemand der Verdacht auf Herzinfarkt
besteht, nimmt der Arzt aus der Armbeuge des Betreffenden Blut ab. Ein
paar Tropfen werden auf ein bestimmtes Feld des Teststreifens
aufgetragen. Bereits nach wenigen Minuten ist das Ergebnis abzulesen.
Sind 2 rote Striche zu sehen, dann war es ein Herzinfarkt, bei einem
Strich war es keiner.
Etwa die Hälfte der Infarkte mit EKG nicht zu entdecken
Ärzte Zeitung, 28.11.1997
Nach
neuen Studien liege die Sensitivität des EKG bei nur etwa 50 Prozent,
so der Kardiologe von der Hamburger Universität. "Das heißt, ungefähr
die Hälfte der Infarkte können wir nicht im EKG entdecken."
Hamburg
(ab). Bei Patienten mit Verdacht auf Myokardinfarkt beruht zwar "die
Diagnosefindung heute im wesentlichen auf den EKG-Kriterien. "Aber",
warnte Professor Christian W. Hamm auf dem Intensiv- und
Notfallmedizin-Kongreß in Hamburg, "das EKG ist nicht so zuverlässig,
wie wir es allgemein erwarten."
Schwierig sei es zum Beispiel,
im EKG einen Infarkt bei Linksschenkelblock zu erkennen, einen strikt
posterioren Infarkt oder einen rechtsventrikulären Infarkt. Welche
EKG-Zeichen kennzeichnen solche Infarkte?
Bei einem Patienten
mit Linksschenkelblock korreliere eine ST-Strecken-Hebung von
mindestens zwei Millimetern bei positivem QRS-Komplex am besten mit der
Infarktdiagnose. Deutlich geringer sei die Sensitivität einer
RST-Strecken-Hebung von mehr als fünf Millimetern bei negativem
QRS-Komplex. Als letzten, allerdings am wenigsten sensitiven
EKG-Parameter für einen Infarkt bei Linksschenkelblock nannte Hamm eine
ST-Strecken-Senkung in den Ableitungen V1 bis V3 von einem Millimeter
und mehr.
Ein strenger posteriorer Infarkt wiederum sei
gekennzeichnet durch Erhöhungen der R-Zacke und der T-Welle in den
Ableitungen V1 und V2 und eventuelle T-Strecken- Erhöhungen in den
erweiterten Brustwandableitungen V8 und V9.
Um einen
rechtsventrikulären Infarkt erkennen zu können, die üblicherweise im
Zusammenhang mit Hinterwandinfarkten auftreten, empfiehlt Hamm, immer
auch rechtsthorakale Ableitungen zu schreiben. ST-Strecken-Hebungen in
den Ableitungen V3 und V4 rechtsthorakal deuteten auf eine Beteiligung
des rechten Ventrikels.
Nach einem Herzinfarkt klagen viele Patienten über extreme Wetterfühligkeit
Ärzte Zeitung, 9.7.1998
Nach
Untersuchungen des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF)
in München sind es jedoch vor allem Herzinfarkt-Patienten, die - oft
sogar extrem - an Wetterfühligkeit leiden: Sie sind dreimal stärker
betroffen als die Normalbevölkerung.
Neu-Isenburg (run). So manchem
schlägt schon mal das Wetter aufs Gemüt. Nach Untersuchungen des
Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) in München sind es
jedoch vor allem Herzinfarkt-Patienten, die - oft sogar extrem - an
Wetterfühligkeit leiden: Sie sind dreimal stärker betroffen als die
Normalbevölkerung.
"Wir haben dieses Phänomen bei der
Follow-up-Auswertung von Patienten des Augsburger Herzinfarktregister
gefunden", sagte Dr. Hannelore Löwel, Leiterin des Registers und
Mitarbeiterin am GSF im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Dabei wurde
festgestellt, daß 72 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer noch
zwei bis zehn Jahre nach dem Infarkt über eine extrem belastende
Wetterfühligkeit klagen.
Bereits aus anderen Studien ist
bekannt, daß bestimmte Wetterlagen sich offenbar ungünstig auf das
Herzkreislaufsystem auswirken. Sie sind auch die Basis für die Angaben
zum medizinischen Wetter, wie sie vom Deutschen Wetterdienst in
Offenbach herausgegeben werden. So sind bei der Auswertung von
Todesfällen im Herz-Kreislaufbereich eindeutige Zusammenhänge mit
thermischer Belastung, vor allem bei hoher Strahlungstemperatur, wenig
Wind, hoher Bewölkung und hoher Luftfeuchtigkeit festgestellt worden,
wie Dr. Klaus Bucher vom Wetterdienst Freiburg berichtet.
Tritt der Infarkt beim Sport ein, sind oft instabile Plaques die Ursache
Ärzte Zeitung, 12.11.1997
Männer
mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko, die mit körperlichem Training
beginnen möchten, sollten unbedingt vorher ihren Cholesterinspiegel
bestimmen lassen. Erhöhte Spiegel sollten vor Beginn des Trainings
gesenkt werden. Sonst besteht bei Personen, die bereits Plaques haben,
das Risiko einer Plaqueruptur und damit eines Herzinfarktes.
Orlando
(Rö). So hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Renu Virmani vom Armed Forces
Institute of Pathology in Washington D. C. bei der 70. Jahrestagung der
American Heart Association in Orlando im US-Staat Florida ihre Kollegen
gewarnt. Die Pathologen haben die Herzen von Männern untersucht, die
plötzlich in einer Ruhephase an einer kardialen Ursache gestorben
waren.Verglichen wurden die Befunde mit denen von Männern, die während
körperlicher Belastungen gestorben waren. Bei 62 Prozent der Männer,
die beim Training gestorben waren, wurden Plaquerupturen nachgewiesen.
Sie wurden jedoch nur bei 28 Prozent der Männer gefunden, die in Ruhe
gestorben waren. Die beim Sport Gestorbenen hatten höhere Cholesterin-
Spiegel, und es wurden bei ihnen mehr instabile Plaques gefunden mit
der charakteristischen Fibrosekappe, gefüllt mit Makrophagen. Deshalb
sollten vor Beginn des Übungsprogramms die Plaques stabilisiert werden.
Dies ist, wie bekannt, durch eine Cholesterinsenkung zu erreichen.
Zukunft der Koronarangiographie - Kann man auf bisherige Standards verzichten ?
Herz 23: 141 - 142, (1998)
Die
anfangs gestellte Frage "Zukunft der Koronarangiographie - Kann man auf
bisherige Standards verzichten?" konnte erwartungsgemäß nicht eindeutig
beantwortete werden. Es waren mehrere Aspekte zu trennen:
Am
25.10.1997 fand im Rahmen sich wiederholender Symposien am Herzzentrum
Völklingen ein Erfahrungsaustausch über zukünftige Entwicklungen im
Anwendungsbereich der Koronarangiographie statt. Vorgesehen sind
folgende Programmpunkte:
- Neue Entwicklungen auf dem Gebiet der angiographischen Verfahren,
- Aktueller Stand der Bildverarbeitung,
- Vernetzung und Kommunikation,
- Darstellung der gegenwärtigen Industriestandards.
Die
Teilnehmer gehörten unterschiedlichen Gruppen an (Schwestern/Pfleger
der SHG, Patienten, Internisten, Assistenten der Abteilung und
fachspezifische Teilnehmer). Man kann das Symposium als Erfolg
verbuchen. Der überwiegende Vorteil war die sehr aktuelle und
praxisbezogene Darstellung der einzelnen Themen durch die kompetenten
Referenten und die sich daran
anschließende sachliche Diskussion im kleineren Kreis.
Die
anfangs gestellte Frage "Zukunft der Koronarangiographie - Kann man auf
bisherige Standards verzichten?" konnte erwartungsgemäß nicht eindeutig
beantwortete werden. Es waren mehrere Aspekte zu trennen:
- Beurteilung angiographischer Methoden zur Darstellung der
Koronargefäße und der Bypass-Gefäße unter dem Gesichtspunkt geringerer
Invasivität,
- Neue Erkenntnisse aus diesen Methoden, die möglicherweise zu einer anderen Betrachtungsweise der Indikationen führen,
- Verarbeitungsmethoden zur Speicherung, Archivierung und Verteilung der Bilddaten,
- Hinweise auf die zukünftigen Möglichkeiten der
Netzwerkeinbindung und der Schaffung von digitalen Netzen, die sowohl
im Krankenhaus als auch extern verwendet werden können.
Alternative
Methoden der Koronarangiographie, die den gleichen oder einen ähnlichen
Qualitätsstandard besitzen wie die invasive "konventionelle"
Koronarangiographie, sind derzeit nicht vorhanden. Es wurden drei
Verfahren diskutiert:
- die Synchrotrondichromographie (Kupper, Hamburg)
- die Elektronenstrahltomographie (EBT; Achenbach, Erlangen) und
- die Kernspinresonanztomographie (Sechtem, Stuttgart).
Die
Synchrotrondichromographie ist ein Verfahren, das unter derzeit noch
hohem technischen Aufwand eine sehr gute räumliche Auflösung der
kontrastmittelgefüllten Koronarien bietet (20 bis 30 ml intravenös),
aber keine Sequenzen der Bewegungsabläufe liefert. Die methodisch
bedingten berlagerungen der proximalen Gefäßabschnitte (etwa des linken
Hauptstamms) schränken die praktische Anwendung heute noch ein.
Technische Entwicklung ist notwendig.
Die
Elektronenstrahltomographie bedient sich der tomographischen, also
Schnittbild liefernden, Technik eines sehr schellen Bildaufbaus. Dieser
stellt die Kranzgefäßstrukturen bei intravenöser Injektion von ca. 120
ml Kontrastmittel gut dar, so daß bei der Anwendung von
computergestütztem Rendering und Generierung von 3D-Bildern auch
proximale Gefäßabschnitte darstellbar sind, diese aber von der
räumlichen Auflösung her verbessert werden müssen. Immerhin kann man
die Offenheit von Bypässen und eingebrachten Stents mit einer
ausreichenden Genauigkeit beurteilen (Sensitivität und Spezifität um
90%, gemessen an der konventionellen Koronarographie). Die peripheren
anatomischen und funktionellen Gegebenheiten der Bypass-Grafts, denen
klinisch meist eine größere Bedeutung zukommt als der eher pauschalen
Aussage einer Graft-Offenheit, lassen sich derzeit noch nicht mit
ausreichender Bildqualität nachweisen.
Dem gegenüber stehen
neuartige Informationen der EBT-Methode, die die Darstellung von
koronaren Kalzifizierungen zum Gegenstand haben. Hier besteht eine sehr
hohe Erkennungsqualität des EBT-Verfahrens, die über der der
konventionellen Koronarographie liegt. Der klinische Wert des
Kalknachweises liegt in seiner prädiktiven Potenz. Abwesenheit von
Koronarkalk macht das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit in hohem
Maße unwahrscheinlich. Die Kalkmenge steht im Zusammenhang mit der
Schwere der Erkrankung und hat Beziehung zur Gefahr, einen Infarkt zu
erleiden. Somit ergeben sich aus der Untersuchung auch wertvolle
präventive Hinweise, da Risikogruppen leichter erkannt werden können.
Die
Kernspinresonanz (NMR) leistet ebenfalls Beiträge zu kardiologischen
Bilddiagnostik. Hinsichtlich der Bildqualität bleibt sie jedoch hinter
den vorher besprochenen Verfahren zurück, ist aber in der Lage, völlig
nichtinvasive Stoffwechselinformationen aus dem Herzen zu gewinnen, die
in ihrer Wertigkeit denjenigen der Positronenemissionstomographie (PET)
ebenbürtig sind.
Als Gesamtergebnis ist festzuhalten: Man kann
zwar am Horizont Methoden erkennen, die vielleicht in der Zukunft nach
weiterer technischer Entwicklung in der Lage sein werden, einen Teil
der koronarangiographischen Diagnostik abzudecken. Diese letztere
Methode wird ihren Platz als Goldstandard behalten, auch im Hinblick
auf Kosten und Kostenentwicklung (eine EBT-Anlage, die mit
traditionellen CT-Geräten nichts gemeinsam hat, kostet derzeit ca. 4
Millionen DM).
Beten kann Herzpatienten helfen
VON KATHARINA BOEDDEKER
Welt am Sonntag Nr. 15 Seite 41 - Sonntag, 11. April 1999
Sensationelles
Ergebniss einer amerikanischen Studie: Herzkranken Menschen, für die
gebetet wird, geht es deutlich besser als Patienten mit Herzleiden, für
die keine Fürbitten gehalten werden.
Dies fand der US-Kardiologe Dr.
Mitch Krucoff von der Duke University in Durham, North Carolina, in
einer Untersuchung heraus. In die Studie wurden 150 Patienten
einbezogen, die mit akuten Herzbeschwerden im Krankenhaus lagen. Bei
ihnen wurden aufwendige Herzkatheter-Untersuchungen zur Diagnostik
durchgeführt sowie Ballon-Katheter-Therapien, um verschlossene
Herzkranzgefäße wieder zu öffnen. Beide Eingriffe sind für den
Patienten belastend und mit möglichen Komplikationen verbunden.
Die
Patienten wurden in fünf Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt
lediglich eine Standardtherapie. Bei drei Gruppen wurden zusätzlich
verschiedene Verfahren zur Entspannung angewandt wie
Berührungs-Therapie oder Imaginations-Techniken. Für die fünfte Gruppe
wurde gebetet.
Dazu teilten die Studienleiter Gläubigen in aller
Welt die Namen der Herz-Patienten mit und baten darum, sie in ihre
Gebete einzuschließen. So beteten Juden an der Klagemauer in Jerusalem
und buddhistische Mönche in Nepal und Frankreich, Nonnen des
Karmeliter-Ordens in Baltimore, Baptisten und Anhänger anderer
religiöser Glaubensrichtungen gleichzeitig für die Kranken.
Während
des Krankenhaus-Aufenthaltes wurden alle Patienten an ein spezielles
Überwachungssystem angeschlossen. Registriert wurden physiologische
Daten wie Sauerstoffversorgung des Herzens, Blutdruck und Herzschlag,
aber auch Ereignisse wie Herzanfälle, Herzversagen, Lungenödeme oder
ähnliche Komplikationen.
Ergebnis der Untersuchung: Alle
zusätzlich zur Standard-Therapie durchgeführten Maßnahmen zeigten
bessere Ergebnisse als die Standard-Therapie allein. Die weitaus besten
Behandlungs-Erfolge aber waren in der Patientengruppe zu verzeichnen,
für die gebetet wurde: Die Kranken hatten deutlich weniger
Komplikationen und erholten sich erheblich besser als die Patienten der
anderen Gruppen.
Obwohl die Patientenzahl der Studie nur klein
ist, seien die Ergebnisse, so der Studienleiter Dr. Krucoff, doch sehr
interessant und entsprächen nicht dem, was die meisten Schulmediziner
erwartet hätten. Krucoff und seine Mitarbeiter stellten ihre
Untersuchungsergebnisse kürzlich, auf dem 71. jährlichen Treffen der
amerikanischen Herzgesellschaft in Orlando, Florida vor.
Ähnliche
Ergebnisse brachte auch eine Untersuchung an einem Herzzentrum in San
Francisco. Knapp 400 Herzkranke wurden dort zehn Monate lang
beobachtet. Für die eine Hälfte der Patienten wurde gebetet, für die
andere Hälfte nicht. Es stellte sich heraus, daß die Patienten, die in
Gebete eingeschlossen wurden, weniger Komplikationen erlitten und
weniger Medikamente benötigten als jene, für die nicht gebetet wurde.
"Unsere
Untersuchungen zeigten vorteilhafte Entwicklungen", sagte Dr. Krucoff.
Sein Ziel sei es gewesen, eine wissenschaftliche Studie zu erstellen,
um herauszufinden, was außer Medikamenten und Medizin-Technik helfen
könnte, Patienten zu behandeln. Jetzt ist eine weitere Gebets-Studie
mit 1500 Patienten an fünf medizinischen Zentren in den USA geplant.
Stress verengt Herzkranzgefässe
Quelle: Gullette ECD et al: JAMA 1997, 277,1521
Mittleman AM, Maclure M: JAMA 1997, 277,1558 (Editorial) Pressedienst für die Ornish-Herzgruppe, 18.11.1997
(asp)
Spannung, Traurigkeit und Frustration können bei Menschen, die an
Durchblutungsstörungen des Herzens leiden, das Risiko von Anfällen
verdoppeln. Glücksgefühle senken das Risiko annähernd um die Hälfte.
Das Gefühl, alles im Griff zu haben, senkt es um etwa ein Viertel. Das
zeigt eine der bisher gründlichsten Untersuchungen an über hundert
Herzpatienten in Durham, North Carolina.
Die Patienten trugen 48
Stunden lang ein kleines Gerät auf sich, das ein lückenloses
Elektrokardiogramm (EKG) aufzeichnete. Tagsüber notierten sie ungefähr
dreimal pro Stunde ihren aktuellen Gefühlszustand. Die Auswertung
zeigte, dass eine Stunde nach negativen Gefühlsereignissen die
Durchblutung des Herzmuskels am meisten beeinträchtigt war.
Solche
Durchblutungsstörungen sind zuerst im EKG erkennbar. Verstärken sie
sich, dann kommt es zu Angina pectoris, einem ausstrahlenden Schmerz im
Brustkorb, verbunden mit Atemnot. Angina pectoris ist ein Warnsignal
für Herzinfarkt. (Astra-Pressedienst)
Kasteien für das Herz
Quelle: DER TAGESSPIEGEL 18.Juli 1999
VON ADELHEID MÜLLER-LiSSNER
Rohes
Gemüse, Sport, Yoga: Das Lebensstil -Programm des Amerikaners Dean
Ornish ist radikal und wirksam Das Konzept hat einen Namen: Es heißt
nach dem kalifornischen Arzt Dean Ornish. Und es klingt, sieht man vom
drastischen Fett-Verbot ab, eigentlich wie ein Gesundheits-Programm für
die ganze Familie. Doch gedacht ist es für Menschen, die aufgrund
besonderer Risikofaktoren gefährdet sind, eine Krankheit der
Herzkranzgefäße oder einen Herzinfarkt zu erleiden und für diejenigen,
die eine solche Erkrankung schon haben oder hatten.
Der Anfang war
schwer. Doch jetzt hat sie die Regeln im Kopf, und das Zubereiten der
Mahlzeiten geht ihr locker von der Hand. Auch der Ehemann hat seine
Ernährung mit umgestellt. Beide sind also Vegetarier geworden, nehmen
nicht mehr als zehn Prozent der Gesamtkalorien in Form von Fett zu
sich, verzichten auf Vollmilchprodukte, Käse und Kaffee.
Dafür
steht viel rohes und gedünstetes Gemüse auf dem Speisezettel, ein Glas
Wein am Tag ist erlaubt, und die Kuchen werden inzwischen nach
phantasiereichen Rezepten selbstgebacken. Doch die Lebensumstellung
umfaßt weit mehr als den Speisezettel: Es herrscht absolutes
Rauchverbot, ein regelmäßiges Bewegungsprogramm und Entspannung durch
Meditation oder Yoga sind Pflicht.
Feind Nummer eins des
Ornish-Programms ist die Arteriosklerose. Schon 1990 haben Ornish und
seine Arbeitsgruppe aus San Francisco in einer im Fachblatt "Lancet"
(Band 336, Seite 129) veröffentlichten Studie, dem "San Francisco
Lifestyle Heart Trial", der wissenschaftlichen Fachwelt zeigen können,
daß die revolutionäre Umstellung des täglichen Lebens bei einem großen
Teil der (allerdings nur kleinen) Patientengruppe Wirkung zeigte: Die
Cholesterinwerte sanken, die gefährlichen Verengungen ihrer
Koronararterien bildeten sich meßbar zurück, die Durchblutung und
Versorgung des Herzmuskels verbesserte sich deutlich. Und das, obwohl
die Studienteilnehmer im Gegensatz zur Kontrollgruppe keine
blutfettsenkenden Medikamente (Lipidsenker) einnahmen.
Es
folgten mehrere Veröffentlichungen, in denen diese Ergebnisse durch
Röntgen-Darstellungen der Herzkranzgefäße hieb- und stichfest gemacht
und auch langanhaltende Erfolge dokumentiert wurden. Auch die
amerikanischen Krankenversicherungen ließen sich schließlich
überzeugen. Die zu Beginn erwähnte Berlinerin hat mehrere Herzinfarkte
und mit 56 Jahren eine Bypass-Operation durchgemacht. Sie leidet an
einer familiären Form der Hypercholesterinämie, einer erblich bedingten
Fettstoffwechselstörung, bei der krankhaft erhöhte Blutfette auf die
Dauer zu Ablagerungen in den Gefäßen führen. Nach neueren Erkenntnissen
kann ein Wechselspiel zwischen innerer Gefäßschicht und Bestandteilen
des Bluts dann zu dem gefürchteten Blutpfropf und damit zum Infarkt
führen. Weil sie das Gefühl hatte, das fettsenkende Medikament nicht zu
vertragen, das ihr langfristig verordnet worden war, machte sie sich
auf die Suche nach Alternativen und erfuhr vor eineinhalb Jahren vom
Ornish-Programm. Die Wirkungen sind auch in ihrem Fall objektivierbar:
niedrigere Cholesterinwerte, deutliche Gewichtsabnahme, weniger
Medikamente.
"Ich finde die Erfolge, die mit
Lifestyle-Änderungen erreichbar sind, beeindruckend" sagt auch der
Kardiologe Rainer Dietz im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Der Leiter
der Franz-Volhard Klinik der Charité, Campus Buch, denkt dabei
allerdings nicht zuletzt an Studien seines ehemaligen Heidelberger
Kollegen Gerhard Schuler. Wie Ornish führte auch die Arbeitsgruppe des
jetzt am Herzzentrum Leipzig tätigen Kardiologen Schuler den Kampf
gegen den Infarkt an mehreren Fronten: Aufgeben des Rauchens,
Gewichtsreduktion, Bewegung. Der Haken bei der Sache: "Die Motivation
dazu kann schnell abbröckeln, und dann fragen die Patienten: Geht's
nicht auch einfacher, Herr Doktor?" Für die 4S-Studie, die die Wirkung
des blutfettsenkenden Medikaments Simvastatin testete, konnten immerhin
4444 Patienten
gewonnen und nach dem Zufallsprinzip mit dem Lipidsenker oder mit einem Scheinmedikament behandelt werden.
Die
wesentlich kleineren Studien von Schuler und Ornish hält Dietz trotzdem
für wichtig: "Sie sind der ehrenhafte Versuch, etwas mit nicht
pharmakologischen Maßnahmen nach den Kriterien der wissenschaftlich
gesicherten Medizin zu überprüfen." Daß es nicht einfach ist, die
Patienten bei der Stange zu halten, wissen auch die Verfechter des
Programms: "Da das Ornish-Programm eine hohe Bereitschaft zur Änderung
der eigenen Verhaltensgewohnheiten erfordert, sind nicht alle Menschen
bereit und in der Lage, das Programm anzuwenden", warnt deshalb der
Deutsche Wellness Verband in Düsseldorf. Schulungen und ambulante
Herzgruppen, die sich einmal wöchentlich treffen, dienen dort der
Festigung des herzgesunden Lebensstils nach der Ornish-Methode.
In
einer 1996 in der "Münchner Medizinischen Wochenschrift" (Nr. 36, Seite
598) erschienenen Studie zeigte sich, daß auch in Deutschland die
umfassende Lebensstiländerung nach Ornish bei Patienten mit koronarer
Herzkrankheit möglich und wirkungsvoll ist. Der an der Untersuchung
beteiligte Psychologe Lutz Hertel, inzwischen Vorsitzender des
Wellness-Verbandes, zweifelt seitdem an der Wirksamkeit der üblichen
Nachbetreuung, bei der die Patienten nach einem mehrwöchigen Aufenthalt
in einer Rehaklinik ("Anschlußheilbehandlung") vom Hausarzt oder einem
Kardiologen weiterbehandelt werden. Die Ornish-Gruppe der Studie wurde
statt dessen zwei Wochen stationär geschult und anschließend ein ganzes
Jahr lang "engmaschig" betreut. "Die Befunde deuten darauf hin, daß
Patienten, die aus dem geschützten Raum der Anschlußheilbehandlung in
ihr Alltagsleben zurückkehren, einer besonderen Hilfe bedürfen, um eine
ihrer chronischen Krankheit angemessene Lebensweise zu entwickeln,
fortzuführen und im Alltag zu verfestigen." Der behandelnde Arzt allein
kann das auch mit viel Charisma kaum schaffen.
Seit Januar 1998
gibt es auch in Berlin eine Selbsthilfegruppe, die sich bisher
allerdings nur einmal im Monat trifft und auf die Umstellung der
Ernährung konzentriert.
Kontakt: Ornish-Herzgruppe Berlin, Telefon und Fax 030-8515438.
Deutscher
Wellness Verband e.V., Stichwort Ornish-Programm, Wetterstrasse 7,
40233 Düsseldorf, Telefon 0211-6796911, Fax 0211-6796912.
Bluttest verrät, ob sich das Herz selbst heilt
Von Rolf H. Latusseck / Welt am Sonntag, 8.8.1999
Bypass-Operationen
am Herzen gehören inzwischen zum Alltag. Was der Chirurg in
stundenlanger Kleinarbeit vollbringt, geschieht bei einigen Menschen
jedoch schon von Natur aus. Verengt sich eines der Herzkranzgefäße,
dann wachsen um die blockierte Stelle herum neue Gefäße, die das Blut
umleiten, so dass die von der Versorgung abgeschnittenen Muskelbereiche
weiterhin. versorgt werden.
Wenn die Methode sich auch in
zukünftigen Tests als erfolgreich erweist, könnte die Gefäßneubildung
mittels Gentherapie dort eingesetzt werden, wo eine Operation bislang
nicht möglich ist, weil zu große Bereiche des Herzens von einer
mangelnden Blutversorgung betroffen sind.
Aber nur bei rund der
Hälfte aller Menschen bildet sich so ein voll funktionierender,
natürlicher, Bypass tatsächlich aus; bei der anderen Hälft bleibt er
unvollständig. Ob sich neue Blutgefäße bilden oder nicht, liegt an der
Menge, des "vaskularen endothelialen Wachstums-Faktors" (VEGF).
Offenbar
ist die Fähigkeit eines Organismus, dieses Wachstumshormon in
ausreichender Menge zu bilden, erbIich festgelegt und bei jedem
Menschen unterschiedlich ausgeprägt.Israelische Forscher vom
Technion-Israel Institut für Technologie in Haifa haben nun einen Test
entwickelt, mit dem bestimmt werden kann, wie weit ein einzelner
Patient in der Lage ist, ausreichende Mengen des Wachstumshormons VEGF
zu bilden. "Das gibt uns wichtige Anhaltspunkte, wie wir solche
Erkrankungen der Herzkranzgefäße zu behandeln.haben.", sagt Andrew
Levy, der Teamleiter der Arbeitsgruppe. Bei Herzpatienten, die nur
wenige Blutgefäße ausbilden, können WIT mit Medikamenten nachhelfen
oder mit einer Operation. Doch für Krebs- und Diabetespatienten ist der
Test ebenso wichtig." Auch bei diesen Krankheiten spielen neue
Blutgefäße eine wichtige Rolle, allerdings ist eine Neubildung dann
nicht erwünscht. Krebsgeschwüre müssen für ihr Wachstum mit Sauerstoff
und Nährstoffen versorgt werden. Dafür sind neu gebildete Blutgefäße
zuständig, und auch bei der Diabetes-Retinopathie wachsen Blutgefäße in
die Netzhaut und beeinträchtigen das Sehvermögen. In diesen beiden
Fällen muss das Ziel einer Behandlung also eine Verminderung des
VEGF-Gehalts im Blut sein. Wie Andrew Levy in der August-Ausgabe von
"Circulation", dem wissenschaftlichen Mitteilungsblatt der
Amerikanischen Herzgesellschaft, berichtet, arbeitet sein Team derzeit
daran, den Test so weit zu vereinfachen, dass er in der täglichen
Praxis eingesetzt werden kann. Erste Versuche, einen Mangel an VEGF mit
Hilfe von Gentherapie zu beheben, sind in New York durchgeführt worden.
Dazu haben Todd Rosengart und seine Arbeitsgruppe das Gen für den
Wachstumsfaktor in ein Virus verpackt und direkt in den Herzmuskel
injiziert. Wie Rosengart in "Circulation" betont, war die Gruppe der
behandelten Patienten zu klein, um allgemeingültige Aussagen machen zu
können, dennoch sei in einigen Fällen eine Neubildung von Blutgefäßen
zu beobachten, und die meisten Betroffenen berichteten, dass es ihnen
besser gehe. So hätten die für verengte Herzkranzgefäße typischen
Brustschmerzen nachgelassen.
Die Arteriosklerose - ein Problem, das alle angeht
Quelle: Die Welt
Arteriosklerotische
Gefäßwandkrankheiten sind mit ihren klinischen Konsequenzen -
Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere Gefäßerkrankung - die häufigste
Todesursache in den Industrienationen. Auch die Kosten des
Gesundheitssystems werden entscheidend durch Aufwendungen für die
Folgen dieser Krankheit bestimmt.
Die Häufigkeit
Fast alle Menschen unseres Kulturkreises zeigen
bereits in jungen Lebensjahren Gefäßveränderungen der ersten Phase mit
Fett- und Kalkeinlagerungen sowie örtlichen Wandverdickungen. Die
Arteriosklerose wird zur Krankheit, sobald höhergradige
Gefäßverengungen oder Verschlüsse auftreten. Dies ist bei einem Drittel
der Menschen, meist nach dem 40. Lebensjahr, der Fall.
Die gesundheitspolitische Bedeutung
Die klinischen Folgen
atherosklerotischer Gefäßwandprozesse wie Herzinfarkt, Schlaganfall und
"Raucherbein" sind seit Jahrzehnten häufigste Todesursache und die
Hauptursache für frühzeitige Invalidität in Deutschland und den übrigen
Ländern der westlichen Welt. Da die Kosten des Gesundheitssystems
entscheidend durch Aufwendungen für die Folgen dieser Krankheit
bestimmt werden, hat sie auch große gesundheitspolitische Bedeutung.
An
Krankheiten des Herz-/Kreislaufsystems, unter denen die Spätfolgen der
Arteriosklerose einen wichtigen Platz einnehmen, verstarben in
Deutschland im Jahre 1993 183.712 Männer und 257.184 Frauen, das sind
44,2 % aller verstor- benen Männer und 53,4 % der Frauen. Darunter sind
89.764 Männer und 94.723 Frauen, die an einer durch Arteriosklerose
bedingten (ischämischen) Herzkrankheit, meist einem Herzinfarkt,
verstarben. Während bei Frauen vor allem im höheren Alter die
Krankheiten des Kreislaufsystems als Todesursache in den Vordergrund
treten, sind sie bei Männern bereits in mittleren Lebensjahren (45-65
Jahre) mit 34.789 Fällen (= 34 %) die wichtigste Todesursache. Davon
sind 20.152 durch eine ischämische Herzkrankheit bedingte Todesfälle.
Nach den Ergebnissen der von der WHO in Deutschland geführten
Herzinfarktregister verlaufen bei Männern etwa 51 % und bei Frauen etwa
59 % der Infarkte tödlich, so daß die Zahl der Herzinfarkte etwa
doppelt so hoch wie die Zahl der an einer ischämischen Herzerkrankung
verstorbenen Personen anzusetzen ist (ca. 340.000). Die Krankheiten des
Kreislaufsystems stehen nicht nur in der Rangfolge der wichtigsten
Todesursachen an erster Stelle, sondern sind mit 37 % auch die
wichtigste Ursache für verlorene Lebensjahre.
Darüber hinaus
hatten die Krankheiten des Kreislaufsystems im Jahre 1993 bei der
vorzeitigen Rentengewährung wegen Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit einen
Anteil von 25 % bei Männern und 15 % bei Frauen und standen damit
hinter den Erkrankungen des Bewegungsapparates an zweiter Stelle. Sie
verursachten 1990 mit über 15 Milliarden DM etwa 11 % aller direkten
Kosten im Gesundheitssystem (Aufwendungen für Behandlung,
Rehabilitation, Lohnfortzahlung und Renten wegen Erwerbs- und
Berufsunfähigkeit). Sie stehen damit hinter den Erkrankungen der
Verdauungsorgane (bei denen die Zahnbehandlungen den größten Teil aus-
machen) an zweiter Stelle der wichtigsten Krankheitsgruppen. Auch als
Ursache für verlorene Erwerbstätigkeitsjahre (durch vorzeitigen Tod und
durch Krankheit) und damit bei den sogenannten indirekten Kosten, die
durch den Ausfall der Arbeitskraft entstehen, nehmen die
Kreislauferkrankungen mit fast 18 Milliarden DM (13 % der durch alle
Krankheiten verursachten indirekten Kosten) einen führenden Rang ein.
Die ischämischen Gefäßerkrankungen sind sowohl an den direkten als auch
an den indirekten Kosten der Herz-/Kreislauferkrankungen insgesamt
jeweils etwa zur Hälfte beteiligt.
Die prognostizierte demographische Entwicklung
Wesentliche
demographische Veränderungen werden für die nächsten Jahre und
Jahrzehnte prognostiziert. Allein der Anteil der Personen im Alter über
60 Jahre wird in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland von
1986 bis zum Jahr 2000 von 21 % auf fast 25 % ansteigen. Derzeit
entfallen auf diese Altersgruppe (21 %):
- 32 % der ambulanten Arzt-/Patientenkontakte,
- 36 % der Krankenhauseinweisungen,
- 47 % der Krankenhaustage,
- 55 % der Ausgaben für Arzneimittel im ambulanten Bereich.
Insgesamt
entfallen 41 % von den Leistungsausgaben der gesetzlichen
Krankenversicherung auf die Altersgruppe der über 60jährigen. Ein
großer Teil dieser Ausgaben wird speziell in dieser Altersgruppe durch
Komplikationen der Arteriosklerose verursacht. Mit steigendem Anteil
der älteren Personen wird deshalb die Bedeutung der Erkrankung
innerhalb des Gesundheitssystems weiter zunehmen.
Die Prävention
bereits in jüngeren Jahren und die wohlüberlegte Behandlung bei älteren
Patienten kann ihr Befinden und ihre Lebensqualität verbessern.