Bewegung für ein gesundes Herz

In diesem Kapitel geht es um die dritte Säule des Ornish-Programms, die regelmäßige Bewegung. Neben der fettarmen vegetarischen Ernährung und den Entspannungsübungen trägt dieser Teil des Programms dazu bei, daß Sie Ihre Fitneß verbessern und Ihren Fettstoffwechsel in Schwung bringen. Denn richtige und ausreichende Bewegung läßt ihr Herz ökonomischer arbeiten, beschleunigt den Abtransport der Fette im Blut und erhöht den Anteil an HDL-Cholesterin als Schutzfaktor für die Gefäße. Wenn es darum geht, sich ein Bewegungsprogramm zusammenzustellen, sollten Herzkranke auf "herzfreundliche" Übungen und Sportarten zurückgreifen. Hierzu die nachstehenden Ausführungen und Hinweise.

Denjenigen, die sich das Ornish-Programm erarbeiten möchten, wird empfohlen, die nachfolgenden Abschnitte in der aufgeführten Reihenfolge durchzugehen. Die allgemein am Thema Bewegung und Sport für Herzkranke interessierten Surfer können über die nachstehenden Linkhinweise zu den Abschnitten springen, die sie besonders interessieren.

Inhalt

Was ist eine herzfreundliche Sportart ?
Hat das Sporttreiben einen lebensverlängernden Effekt ?
Welche Sportarten können Herzkranken empfohlen werden ?
Welche Sportarten sind für Herzkranke nicht empfehlenswert ?
Von welchen Sportarten ist dringend abzuraten ?
Und wie sieht es mit der Sauna aus ?


Was ist eine herzfreundliche Sportart?

Bewegung und Sport sind für Koronarkranke wichtig.

Das Ziel ist der Gewinn an Lebensqualität.

Als Grundsatz für die Auswahl einer Sportart gilt: Suchen Sie sich eine Sportart, die Ihnen Freude macht und nicht eine zusätzliche Last ist.

Die Belastungsintensität sollte vorher mit dem Arzt abgestimmt sein.

Bedenken Sie: Ausdauertraining kann nicht jeden Infarkt verhindern.

Wenn sich Warnzeichen einstellen, gehen sie sofort zum Arzt!


Walking, Radfahren, Schwimmen, mindestens eine halbe Stunde täglich oder - wenn´s nicht anders zu machen ist - dreimal zehn Minuten.
Bewegung und Sport sind heute ein anerkannter, wichtiger Bestandteil in der Betreuung jedes Infarktpatienten. Das Ziel ist dabei der Gewinn an Lebensqualität - und nicht die Anerkennung als Sportler, der nun erst recht beweisen will, daß er noch zu allem fähig ist. Regelmäßig betriebene Bewegung und vielleicht sogar einer Ausdauersportart soll Freude bereiten und helfen, den Lebensstil so zu gestalten, daß sich die anderen Gebote und Empfehlungen des Lebensstiländerungsprogramms leichter befolgen und ausführen lassen.

Bei einem gestörten Fettstoffwechsel sollten Sie einen Ausdauersport betreiben, der direkt positiv auf Ihr Herz-Kreislauf-System wirkt - wie Laufen, Radfahren, Wandern oder Schwimmen. Diese Bewegungsformen regen den Stoffwechsel und die Atmung an, und sie erhalten Herz und Kreislauf gesund. Außerdem haben solche Ausdauersportarten den Vorteil, daß sie leicht zu erlernen sind und Sie sie auch dann ausüben können, wenn Sie bereits längere Zeit überhaupt nicht körperlich aktiv waren. Und Sie brauchen keine Bedenken zu haben, daß Sie sich beim Training überlasten, weil Sie selbst jederzeit das Tempo und die Intensität der körperlichen Belastung dosieren können.

Die spürbare Erfolgsmarke eines regelmäßig betriebenen Ausdauertrainings ist eine Besserung der Belastbarkeit - und die führt zu mehr Spaß an der selbst gewählten Sportart. Dies ist am ehesten durch Sportarten zu erreichen, die ein Element an Ausdauer enthalten; z.B. strammes Gehen (Walking), Radfahren, Schwimmen, Wandern. Und wie lange sollte man sich täglich bewegen? Wir empfehlen Ihnen mindestens eine halbe Stunde pro Tag. Besser wäre natürlich eine volle Stunde. Vielleicht setzen Sie sich ein Wochenlimit von 4 bis 5 Stunden. Für diejenigen, denen es partout an Zeit fehlt der Tip, daß dreimal zehn Minuten Bewegung pro Tag fast den gleichen gesundheitlichen Effekt haben wie eine halbe Trainingsstunde - also 30 Minuten. Und diese drei Zeitscheiben sollten auf jeden Fall noch drin sein.

Hat das Sport treiben einen lebensverlängernden Effekt?

Sport und Bewegung sind in der Lage, die Veränderungen an den Herzkranzgefäßen zurückzudrängen - und dies nach nur einem Jahr.

Ein häufig aktiver Zeitgenosse reduziert das Risiko, irgendeinerKrankheit zu erliegen, um mehr als die Hälfte.
Es wird häufig argumentiert, daß das Sporttreiben für sich gesehen keinen lebensverlängernden Effekt hat. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Neueste Untersuchungen, die dem amerikanischen »US News and Worldreport« sogar die Titelseite wert waren, zeigen eindeutig, daß Sport und Bewegung in Verbindung mit der Ausschaltung aller Risikofaktoren in der Lage sind, die Veränderungen an den Herzkranzgefäßen zurückzudrängen - und dies nach nur einem Jahr Beobachtungszeit! Es macht also Sinn, Ausgleichssport einzuplanen um der Qualität und Quantität der Lebensjahre willen. Und wer es denn immer noch nicht glauben will, den möchten wir auf eine neue Studie hinweisen, die in Finnland an 15.902 Zwillingen gemacht wurde:

Die Forscher verglichen gleichgeschlechtliche Zwillinge, von denen einer häufiger oder gelegentlich Sport trieb und der andere jede Bewegung scheute. Die Studie an gesunden Zwillingspaaren von 25 bis 64 Jahren erstreckte sich über 11 Jahre. Das Ergebnis: Ein häufiger aktiver Zwilling reduziert das Risiko, irgendeiner Krankheit zu erliegen, um mehr als die Hälfte. Von jenen, die sich nur hin und wieder sportlich bewegten, starb immer noch ein Drittel weniger als von den Geschwistern, die allein der Bequemlichkeit frönten.

Dabei wurden auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Rauchen berücksichtigt. Durch die Wahl von Zwillingen für ihre Untersuchung konnte das Forscherteam um Urho Kujalavom Institut für Biomedizin der Uni Helsinki genetische und andere familiäre Risikofaktoren für einen frühen Tod weitgehend ausschließen.(dpa)

Welche Sportarten können Herzkranken empfohlen werden?

Als gut steuerbare (d.h. jederzeit das Tempo und die körperliche Intensität dosierbare) Sportart mit gleichzeitiger Beteiligung großer Muskelgruppen sind die nebenstehenden Sportarten zu empfehlen: Als Grundregel ist zu beachten, dass Empfehlungen dieser Art vor dem Hintergrund des Gesamtbefundes des Trainierenden oder "Patienten" gesehen werden müssen und an seine individuellen Vorlieben anzupassen sind. Ferner müssen zusätzliche (zum Bluthochdruck) Erkrankungen berücksichtigt werden:.
  • schnelles Gehen
  • Langlaufen
  • Jogging
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • Bergwandern
  • Skilanglauf
  • zu Hause Fahrradheimtrainer (Ergometer)

Welche Sportarten sind für Herzkranke nicht empfehlenswert?

Wegen starker überwiegend isometrischer Kraftentwicklung und wegen Preßdruck werden die nebenstehenden Sportarten nicht empfohlen:
  • Hantelübungen ( Bodybuilding)
  • Wildwasser-Kajak
  • Expanderübungen
  • Tauchen
  • Stoßen von Gewichten
  • Klettern am Berg
  • Stoßen von Medizinbällen
  • Bogenschießen.
Einige Übungen aus der herkömmlichen Gymnastik wie Kniebeugen und Liegestützen sind ungünstig.

Von welchen Sportarten ist Herzkranken dringend abzuraten?

Nicht zuletzt weil diese Sportarten wenig steuerbar sind, nicht den Ausdauersportarten zuzurechnen sind und wegen der unvermeidlichen Preßatmung ist hiervon Herzpatienten dringend abzuraten:
  • Gewichtheben
  • Ringen
  • Boxen
  • Turnen
  • Wettkampf-Rudern
  • Sportkegeln
  • Kraftsportarten in der Leichtathletik.

Und wie sieht es mit der Sauna aus?

Sauna in Maßen ist erlaubt. Aber keinen Sprung ins kalte Wasser und keinen Kaltwasserkübel!
Sauna-Anwendungen unter Vermeidung extremer Hitze und Luftfeuchtigkeit sind erlaubt. Also auf den unteren Bänken bleiben und keine Aufgüsse. Verzichten müssen Sie auch auf die Kälteanwendungen (kaltes Abduschen, Tauchbecken), da es hierbei schon bei Gesunden um einen erheblichen Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdruckes kommen kann. Nehmen Sie sich Zeit für das langsame Abkühlen unter der Dusche und sorgen Sie abschließend für lange Ruhepausen.